8.⁠ ⁠Mai – Spurensuche in Brüssel

vor etwa 1 Jahr

8.⁠ ⁠Mai – Spurensuche in Brüssel
Bildquelle: Tichys Einblick

Brüssel ist nicht Warschau, mit einem ausgebrannten Häuserblock, Symbol des Warschauer Aufstands, dem vollständig zerstörten Ghettostadtteil, den Schienen der Ghettostraßenbahn, dem Bunker der jüdischen Widerständler, dem Stück Ghettomauer im Hinterhof, unüberwindbar. Es ist nicht Rotterdam, mit einer völlig zerstörten, einfach nicht mehr vorhandenen Altstadt. Brüssel ist unzerstört, sieht man vom Wirken der Architekten in den 50er, 60er, 70er Jahren ab. Der NS-Horror ist versteckt.

Täglich reisen deutsche Politiker nach Brüssel, nur wenige dürften um die Geschichte des Art Deco-Gebäude Résidence Palace mit seinen Luxuswohnungen wissen, das Teil des Ratsgebäudes ist. Beschlagnahmt durch die Nationalsozialisten, wurde dort das Oberkommando der Wehrmacht einquartiert. Auf der Prachtmeile Avenue Louise ein weiteres Art Deco-Gebäude, Nummer 347, Hauptsitz der Gestapo mit Folterkeller, Inschriften der Gefolterten an den Wänden.

Rue Archimède, direkt am Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission. Von Politikern, Beamten, Lobbyisten gut besuchte Restaurants. Auch Apartmentgebäude; und an einem ein Messingschild – an der Nummer 22, keine 200 Meter vom Büro der Kommissionspräsidentin entfernt. Ein Bau der 70er Jahre. Hier stand das Haus, in dem sich der aus einer angesehenen Osnabrücker Kaufmannsfamilie stammende Maler Felix Nussbaum mit seiner Frau Felka versteckte, bis beide denunziert, nach Auschwitz deportiert und dort zusammen ermordet wurden.

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