Zwischen Konfrontation und Koexistenz

vor 9 Monaten

Zwischen Konfrontation und Koexistenz
Bildquelle: Tichys Einblick

In den gegenwärtigen internationalen Beziehungen herrscht ein heftiges Hin und Her. Dieses Hin und Her zeigt sich einerseits in den militärischen Entwicklungen. Mal sieht man den Gegner schon am Boden und einen Sieg in greifbarer Nähe, dann wieder zeigt sich, dass der Gegner über Ressourcen und Durchhaltevermögen verfügt, die seinen Zusammenbruch sehr unwahrscheinlich machen.

Aber auch an der diplomatischen Front gibt es ein Hin und Her: Vorstöße, die Lösungen mit substanziellen, auch territorialen Zugeständnissen andeuten. Aber kaum werden solche Zugeständnisse konkret, gewinnt wieder das Schreckbild eines unersättlichen Feindes, den jedes Zugeständnis nur zu weiteren Eroberungen reizt, die Oberhand. So gerät die Diplomatie wieder ins Stocken, und kehrt zurück zur Logik einer eskalierenden militärischen Abschreckung.

So ist die Weltpolitik – und auch die Weltwirtschaft – in diesem Jahr 2025 hin- und hergerissen zwischen zwei Zuständen. Aber wie müssen diese beiden Zustände beschrieben und verstanden werden? Man ist geneigt, von „Krieg und Frieden“ zu sprechen. Aber das wäre zu sehr schwarz-weiß gedacht, um die wirklichen Alternativen zu erfassen. Denn die Lösungsmöglichkeit, die sich in diesem Jahr 2025 aufgetan hat, würde gar nicht als eigenständiges Ordnungsprinzip begriffen. Gemeint ist das Prinzip der „Koexistenz“.

Dieses Prinzip bedeutet, dass weder ein tiefer, nicht enden wollender Kriegszustand, noch ein tiefer, ewiger Frieden herrscht. Im Modus der Koexistenz findet der Geist der Feindschaft wenig Nahrung, es muss aber kein Geist der Versöhnung beschworen werden. Die bestehenden Gegensätze hätten sich nicht immer weiter in einem Gegeneinander ineinander verkämpft. Aber sie hätten sich auch nicht in einem versöhnenden Miteinander aufgelöst. Die internationalen Beziehungen hätten eine Zustandsform finden können, die sich diesseits der radikalen Alternative „entweder Gegeneinander oder Miteinander“ bewegt: in einem Nebeneinander.

Gemessen an den großen Ansprüchen von „Krieg oder Frieden“ sind bei dieser „Koexistenz“ die Ansprüche geringer. Sie erfordert keine „Überwindung der Gegensätze“. Sie erfordert auch keine komplexen Lösungspakete mit allen möglichen Sonderzuwendungen und Kompensationen. Sie muss nicht in jahrelangen Verhandlungen komplizierte Gebäude errichten, die niemand mehr kontrollieren kann (wie das seit Jahren die Weltklimapolitik vorführt).

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