20 Jahre Twitter: Wie X zum Thalia-Theater linker Journalisten wurde

vor 4 Monaten

20 Jahre Twitter: Wie X zum Thalia-Theater linker Journalisten wurde
Bildquelle: Tichys Einblick

Vor zwanzig Jahren, ganz genau am 21. März 2006, wurde der erste Tweet auf Twitter veröffentlicht. Einer der Gründer schrieb, dass er gerade sein Account einrichtete. Das in der Tat revolutionäre Konzept der neuen Plattform war von Anfang an: „Discover what’s happening right now, anywhere in the world“. Sehen und erfahren, was in der ganzen Welt passiert, möglicherweise im selben Moment, in dem es passiert. Jeder Nutzer konnte so zum Sender einer Nachricht werden, konnte Belege und Videos posten und konnte sich mit anderen über Ansichten zu den Themen des Tages austauschen. Die Zuschauer konnten so ihr eigenes Medium bauen. „You are the media now“, wie Elon Musk heute zu sagen pflegt.

Und mit diesem Rezept konnte Twitter bald stark wachsen. Heute präsentiert sich die Kurznachrichten-Plattform, auf der mittlerweile fast jeder Beitrag ein Bild oder Video besitzt, als führendes Nachrichtenmedium in vielen Ländern. Neuigkeiten aus weit entfernten Teilen der Welt schlagen oft direkt auf X durch, während die alten Medien, die großen Rundfunkanstalten und Medienkonzerne schweigen oder auch angestrengt wegschauen, trotz teurer Korrespondentennetze. Nicht selten bleibt aber sogar das Geschehen im eigenen Land in den alten Medien unterbelichtet und kommt nur in den sozialen Medien zum Ausdruck. Sicher auch auf Facebook, aber an der Spitze steht noch immer das heutige X.

Als es noch Twitter hieß, wurden erst die Gelbwesten-Proteste dort berichtet, und zwar „live und in Farbe“, während ÖRR und größere Medien lieber Distanz zu dem neuen Phänomen hielten. Später ging es ähnlich mit den Protesten gegen die Corona-Politik, dann traf es die Bauern und ihren Protest gegen unsinnige Klima-Vorschriften. Twitter kam die Rolle zu, den Ungehörten eine Stimme zu geben, sie erfahrbar zu machen. Und das sollte nicht in Vergessenheit geraten. Es hat einen wichtigen Beitrag zur politischen Kultur in den USA, in Europa und Deutschland geleistet.

Neu war auch, dass eine Plattform neben vielen anderen Themen einen so starken Schwerpunkt auf das politische Geschehen legte. Hier zahlte vor allem das puristische Format aus 140 Zeichen pro Tweet positiv ein. Es verurteilt den Tweeter, ähnlich wie der begrenzte Platz auf der Seite Eins einer Zeitung, zum schärferen Nachdenken, was er eigentlich mitteilen will. Und die pointierten Tweets, die heute auch Geistesgrößen gerne absetzen – man denke etwa an den Medienwissenschaftler Norbert Bolz –, waren und sind das Salz in der Suppe von Twitter-X.

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