Wo Wunder vermarktet und zertifiziert werden – ein großer Roman über einen schrägen Ort

vor 8 Monaten

Wo Wunder vermarktet und zertifiziert werden – ein großer Roman über einen schrägen Ort
Bildquelle: Tichys Einblick

Lourdes ist ein Ort, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen ist es ein Ort pseudoreligiöser Geschäftemacherei. In eigenen Kaminhäusern werden fette, meterhohe Kerzen abgefackelt, lange Wasserleitungen leiten das Wasser der Quelle zum Abzapfen weiter. Kitsch und Schund verstopfen die Geschäfte, Kitsch ist die Statue der heiligen Bernadette, geschäftstüchtig der Ort, der jeden Pflasterstein verkauft, den Bernadette betreten haben könnte.

Und doch ist es ein berührender Ort. Es ziehen zum Gebet die Mühseligen und Beladenen, die Parade der Rollstühle, die Kolonne der Karren mit den Bahren der Gebrechlichen die sich Erlösung von ihrem Leiden erhoffen. Sie ziehen vorbei an den Büros der medizinischen Prüfkommissionen, die jede Heilung daraufhin untersuchen, ob sie naturwissenschaftlich zu erklären oder doch Gottes unerschöpflicher Gnade zu verdanken sei. In Lourdes werden Wunder nicht nur vermarktet, sondern auch TÜV-zertifiziert.

Niemand hätte auch nur einen Sou darauf verwettet, dass dieser winzige Ort am Fuße der Pyrenäen, ein absolutes Nichts, zur Weltstadt wird, mit Abermillionen von Menschen aus allen Kontinenten, die hier Heilung und Stärkung suchen. Zu verdanken hat Lourdes seinen kometenhaften Aufstieg einem kleinen Mädchen – und im Eigentlichen dem wundersamen Wirken der Mutter Gottes. Für den, der daran glauben will.

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