Wachstum ade: Volkswagen baut ab

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Wachstum ade: Volkswagen baut ab
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Für manche rüttelt das an den Grundfesten des Kapitalismus: Dessen Mantra ist Wachstum. In Deutschland dank Ludwig Erhard immerhin sozial modifiziert als Soziale Marktwirtschaft. Alle wollen Wachstum: die Unternehmen wegen höherer Gewinne, die Manager wegen höherer Boni und das Heer der Lohnempfänger wegen sicherer Arbeitsplätze, mehr Einkommen und Wohlstand, der Staat wegen höherer Steuereinnahmen.

Umso revolutionärer mutet die sich anbahnende strategische Neuausrichtung des VW-Konzerns an: Nicht mehr länger „Wachstum um jeden Preis“ wird angestrebt, sondern „Schrumpfung nach Plan“. Ausschlaggebend dafür sind die hohen strukturellen Absatzverluste bei Elektroautos und geschrumpfte Automobilmärkte in Europa nach Corona. Die hohen Marktverluste in China trafen die Kapazitäten in Deutschland kaum, da der chinesische Markt fast ausschließlich aus lokalen Werken beliefert wird.

Die neue Unternehmensstrategie des Volkswagenkonzernes unter CEO Oliver Blume heißt Rückbau: Abnabelung in China, Stilllegung von mindestens zwei Werken, Abbau von Produktionskapazitäten einschließlich Belegschaften, Schrumpfung von Modellpalette und Modellvarianten.

Die einzelnen Schrumpfmaßnahmen des Volkswagen-Konzerns insbesondere bei der Kernmarke VW wurden seit September 2024 in der Öffentlichkeit ausgiebig dargestellt und diskutiert. In Kürze: Zwei bis drei Werke sollen komplett geschlossen oder – im günstigen Fall – verkauft werden. Im Gespräch sind Osnabrück, die „Gläserne Fabrik“ in Dresden und das sehr erfolgreiche Ex-Verbrenner-Werk Mosel/Zwickau. Letzteres war unter CEO Herbert Diess mit hohem Aufwand umgebaut worden, um für die Produktion von E-Autos genutzt werden zu können.

Der Produktionsstandort Zwickau hatte seit der Wende durch den jährlichen Internationalen Automobilkongress und durch die Ansiedlung zahlreicher Zulieferer hohes Ansehen erworben. In zwei Jahren wird dort kein VW mehr gefertigt werden. Es verbleiben der Audi Q4 e-tron sowie Aufgaben in der Kreislaufwirtschaft.

Eine komplette Stilllegung wäre eine wirtschaftspolitische Katastrophe für die Region. Eine zweite Panzerfabrik wie in Görlitz wäre in Zwickau kaum denkbar. Stattdessen wird das Werk Osnabrück mit Rheinmetall in Verbindung gebracht, Verteidigungsminister Boris Pistorius, einst Oberbürgermeister von Osnabrück, würde vermutlich die Eröffnung zelebrieren.

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