Venezuela – zwischen Angst und Freude

vor 7 Monaten

Venezuela – zwischen Angst und Freude
Bildquelle: Tichys Einblick

Es ist früher Samstagmorgen. Uns erreichen die ersten News aus Venezuela und Washington. Wir schreiben Carlos sofort eine WhatsApp. Viel zu früh für Nachrichten, sagt Carlos. Und lacht dabei. „Am Wochenende schaue ich nie so früh News auf dem Handy.“

Dass er ausgerechnet vom US-Überfall und der Verhaftung Maduros von mir erfährt, hat schon etwas Tragikomisches. Carlos Rafael Morgado Martín de Hijas, 44 Jahre alt, echter Venezolaner und ehemals Flugzeugmechaniker sowie Tourismusguide, heute als CNC-Fachkraft tätig und in Dinkelsbühl lebend, dazu die langjährige Partnerin an seiner Seite, das Leben, kann man sagen, halbwegs geordnet – und dennoch innerlich nie ganz weg aus Caracas.

Wir kennen uns seit über 15 Jahren. Der Kontakt ist nie abgerissen. Wie bei anderen Ex-Kursteilnehmern, oder etwa wie bei Paul, dem früheren Mitarbeiter, über den Tichys Einblick berichtete, sind es gerade diese persönlichen Verbindungen, die nüchternen Analysen plötzlich Fleisch und Blut, Gesicht, geben. Sorgen, Angst, Erleichterung – alles ungefiltert.

„Als ich die Nachricht gesehen habe, war es ein ganz komisches Gefühl“, sagt er. „Schock, Spannung – und eine sehr vorsichtige Hoffnung.“ Keine Freude. Dafür kennt er sein Land zu gut. „Wenn so etwas passiert, besteht immer die Gefahr von Gewalt, Chaos, Vergeltung. Am Ende zahlt oft die normale Bevölkerung den Preis.“ Und dann doch, dieses leise, kaum zu unterdrückende Denken: Was, wenn sich jetzt endlich eine Tür öffnet?
„Aber als Venezolaner lernst du schnell, nichts zu früh zu feiern.“ Carlos wirkt nachdenklich. Er, der er als bestes integriertes Beispiel hierzulande zählt. Fleißig, immer im Job, mit einem festen Freundeskreis.

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