Hat Ungarns Außenminister EU-Geheimnisse an Russland verraten?

vor 4 Monaten

Hat Ungarns Außenminister EU-Geheimnisse an Russland verraten?
Bildquelle: Tichys Einblick

Am 23. März erschien in der Online-Ausgabe der regierungsnahen ungarischen Zeitung Mandiner ein Bericht über eine anonyme Tonaufnahme. Darin prahlte der ungarische investigative Journalist Szabolcs Panyi, er verfüge über Kontakte „zu einem ausländischen Geheimdienst”. Dem habe er die Telefonnummer des ungarischen Außenministers Péter Szíjjártó gegeben, um zu erfahren, ob es diese Nummer sei, die der Geheimdienst abhöre. Ja, erfuhr er, das sei die Nummer. Der Grund für Panyis Vorgehen: Er wollte wissen, ob es noch eine andere, noch geheimere Telefonnummer gebe.

Der offenkundige Grund des Geheimdienstes, Panyi überhaupt irgendwelche Informationen zu geben: Man wollte, dass er die abgehörten Telefonate oder deren Inhalt veröffentlicht, um der ungarischen Regierung zu schaden. Was er auch bereitwillig tat. Nun wird gegen ihn wegen Spionage ermittelt.

Panyi reagierte auf Facebook, indem er das Transkript eines Telefongesprächs Szíjjártós mit dem russischen Außenminister Lawrow aus dem Jahr 2020 auf Facebook veröffentlichte. Darin bittet Szíjjártó seinen Amtskollegen, den damaligen slowakischen Ministerpräsidenten Pellegrini in Moskau zu empfangen, da ihm das in dessen Wahlkampf helfen würde.

Allerdings musste sich Panyi gleich am nächsten Tag entschuldigen: Er habe in dem ursprünglichen, von Mandiner veröffentlichten Gespräch mit einer bislang ungenannten Informantin gelogen. Er hatte ihr gegenüber damit angegeben, mit Anita Orbán befreundet zu sein, die im Falle eines Wahlsieges der Oppositionspartei Tisza die nächste Außenministerin werden dürfte. Er werde, sagte Panyi in dem Gespräch, Einfluss haben auf die personelle Besetzung des Ministeriums. Das, so sagte er nun, sei gelogen gewesen, um sich wichtig zu machen – in der Hoffnung, aus der Dame mehr Informationen herauszulocken.

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