Tag des Sieges?

vor 7 Monaten

Tag des Sieges?
Bildquelle: Tichys Einblick

Der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow verkündete anlässlich des vierzigsten Jahrestages der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ am 7. November 1957: „Genossen, die Berechnungen unserer Planer zeigen, dass die Sowjetunion innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre die USA in der Produktion bedeutender Güter nicht nur einholen, sondern überholen wird.“ Den vorhergesagten Tag des wirtschaftlichen Sieges über den Klassenfeind erlebte der KPdSU-Generalsekretär nicht. Am 7. November 1972 weilte er im Jenseits und musste niemandem Rechenschaft ablegen. „Unsere Planer“ aus Regierungsapparat und Forschungsinstituten hatten sich lange vor dem Tag der Abrechnung unsichtbar gemacht. Nicht einmal ihre Namen sind rekonstruierbar.

Die 15-Jahres-Bilanz allerdings schon: Während das Bruttosozialprodukt der USA im Verkündungsjahr 1957 nach überschlägigen Berechnungen des CIA-Handbook 220 Prozent des sowjetischen betrug, wuchs der Vorsprung der USA im Abrechnungsjahr 1972 auf 260 Prozent an, anstatt auf Null zu sinken. Der Plan war gescheitert. Wie in der sozialistischen Planwirtschaft üblich, ging Chruschtschows Nachfolger Leonid Breschnew den eingeschlagenen Weg der Kommandowirtschaft nicht nur weiter, sondern vertiefte ihn noch.

Diese Randnotiz aus der Geschichte der Planwirtschaft wirft ein Schlaglicht auf die Bilanz großer Transformationsprojekte. Bald nach der Formulierung hehrer Ziele klopft die unschöne Realität an die Tür. Am Abrechnungstag offenbart sich das Scheitern. Von den Verantwortlichen ist dann allerdings niemand mehr greifbar. Das Ziel wird trotzdem weiterverfolgt. Die Anstrengungen werden verdoppelt. Gleichgültig, ob man die 142-jährige Gesamtgeschichte des Sozialismus vom Erscheinen des „Kommunistischen Manifests“ von Marx und Engels im Jahr 1848 bis zum Zusammenbruch des Sowjetimperiums 1990 analysieren will, oder auch nur einzelne Transformationsprojekte wie die „Kollektivierung der Landwirtschaft“ in der Sowjetunion oder den „Großen Sprung nach vorn“ in China – stets müssen vier Kernfragen beantwortet werden:

Für den Weltsozialismus fallen die Antworten wenig schmeichelhaft aus. Doch wie steht es mit dem internationalen Transformationsprojekt Klimaneutralität? Um die gleichen Kernfragen zu beantworten, begeben wir uns auf eine Zeitreise.

Wir schreiben das Jahr 2050. Der internationale Staatengemeinschaft ist es in einem entbehrungsreichen Kraftakt gelungen, die globalen CO2-Emissionen auf Null zu senken. Im rumänischen Copşa Mică beginnt im Frühsommer 2050 die mutmaßlich letzte Klimakonferenz – die COP55. Der Kampf gegen den Klimawandel soll beendet werden. Doch bevor die versammelten Regierungschefs den Tag des Sieges verkünden können, müssen die Delegierten die alles entscheidende Frage beantworten: Ist der Klimawandel eigentlich gestoppt?

Rund 100.000 Teilnehmer sind klimaneutral eingeflogen. Umweltaktivist Leonardo DiCaprio (75) erhielt auf Grund eines ärztlichen Attests eine Sondererlaubnis für die Benutzung seines Privatjets. Vor den Teilnehmern liegt ein Mammutprogramm. Sie wollen eine Bilanz internationaler Klimapolitik ziehen, dann den Sieg über den Klimawandel verkünden und anschließend ihre Selbstauflösung beschließen. Tichys Einblick berichtet exklusiv aus Rumänien.

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