Wenn Johann Wadephul eine Reise macht, besonders nach Syrien, fühlen sich Berliner an den alten Gassenhauer erinnert „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“. Euro News berichtete dagegen über den Besuch des italienischen Außenministers: „Tajani machte in Damaskus auch einen Rundgang durch die Stadt und besuchte die Umayyaden-Moschee in Damaskus. Sie beherbergte früher einen heidnischen römischen Tempel, der später in eine christliche Kirche umgewandelt wurde, und ist eines der bedeutendsten Beispiele der frühen islamischen Architektur.“ Von Ruinen, vom II. Weltkrieg oder von Zerstörung liest man da nichts. Tajani wurde auch nicht mühselig mit dem Auto zu Ruinen gefahren wie der deutsche Außenminister Wadephul, sondern schlenderte locker zu Fuß durch die Innenstadt von Damaskus. Johann Wadephul, der nur einen rotgrünen Geschichtsgeschichtenunterricht gehabt haben dürfte, verstieg sich nach seinem Besuch zu der Aussage, dass es in Syrien schlimmer als in Deutschland 1945 aussehe.
Während der Italiener Rückführungen von Syrern befürwortet, damit sie ihr Vaterland wieder aufbauen können, zeigt sich der nahe am Wasser gebaute Außenminister Deutschlands davon überzeugt, dass man keinen Syrer nach Syrien zurückschicken darf, bevor, möchte man bitter spotten, die deutschen Trümmerfrauen Syrien wieder aufgebaut haben. Aber das ist wirklich nicht fair gegenüber Johann Wadephul, denn er scheint der Auffassung zu sein, dass nicht die Trümmerfrauen Deutschland aufgebaut und im Westen das Wirtschaftswunder nicht den Deutschen, sondern den türkischen Gastarbeitern zu verdanken ist.
Während der italienische Außenminister mit den neuen syrischen Machthabern über „Zusammenarbeit in Schlüsselsektoren wie Energie, Infrastruktur“ sprach, aber auch über „Schleuser und Schmuggler“, wie Euro News berichtet, will Wadephul, dass Deutschland die Führung bei der Finanzierung des Wiederaufbaus Syriens übernimmt. Patricia Mauro, Generaldirektorin von Confindustria Assafrica & Mediterraneo, sieht eine lohnendes Geschäftsfeld für die italienische Wirtschaft in Syrien: „Die EU hat für 2025 und 2026 2,5 Milliarden Euro für die sozioökonomische Erholung des Landes bereitgestellt …“ Wohlgemerkt die EU, nicht Italien. Doch wenn die EU und Deutschland vor allem extra zahlen, kann „der italienische Privatsektor … eine führende Rolle im Wiederaufbau Syriens spielen und Fachwissen, Technologie und Partnerschaftsfähigkeiten einbringen, die in Jahrzehnten der Zusammenarbeit im Mittelmeerraum entwickelt wurden“. Deutschland darf gern beim Bezahlen eine führende Rolle einnehmen, Italien gern beim Verdienen. So sehen es die Italiener – und so scheint es auch Johann Wadephul zu sehen.
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