Vorwärts auf der schiefen Ebene

vor 7 Monaten

Vorwärts auf der schiefen Ebene
Bildquelle: Tichys Einblick

Ob der Bundeskanzler in seinem gegenwärtigen Job so etwas wie Erfüllung oder gar Freude empfindet, ist nur schwer zu ergründen. Nicht, dass Friedrich Merz sich durch seine zahlreichen politischen Täuschungsmanöver noch irgendeinen Anspruch auf berufliches Glück bewahrt hätte. Und doch bleibt ein wenig Neugier: Wie mag es um die Psyche eines Mannes bestellt sein, der sich seit bald acht Monaten von sozialdemokratischen Freibeutern wie Lars Klingbeil und Bärbel Bas am Nasenring durch die politische Manege ziehen lässt – vorgeführt und immer wieder der Lächerlichkeit preisgegeben?

Merz’ vollmundige Ankündigungen vom Bürokratieabbau, der Entfesselung der Wirtschaft in einem vitalisierenden Herbst der Reformen, sein bizarrer Wirtschaftspatriotismus à la „Made for Germany“ – alles verfliegt im kleinsten Windhauch seiner innerkoalitionären Opposition. Es wirkt wie eine naive Komödie: Union und SPD camouflieren Reformpolitik, bloß, um den Zentralplan des Umbaus von Gesellschaft und Wirtschaft in eine grüne Kommandowirtschaft mit militärischem Industriekomplex in zunehmend rauer See in den sicheren Hafen zu steuern. Der gute alte Erich – was hätte ihm gefallen, was aus dem alten Erbfeind „BRD“ geworden ist.

Die anhaltende öffentliche Demütigung des ehemaligen BlackRock-Frühstücksdirektors Friedrich Merz fand ihren vorläufigen Höhepunkt am Freitag in Brüssel. Auf dem EU-Gipfel kassierte er eine schallende Ohrfeige von der kleinen Visegrád-Koalition um Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán, die letztlich die Enteignung der russischen Vermögensbestände bei Euroclear verhinderte.

Wer um die Bedeutung von Euroclear weiß und auch nur ansatzweise ahnt, was es heißt, einen tragenden Pfeiler der auf Vertrauen gegründeten internationalen Finanzmarktarchitektur zu beschädigen, musste in diesem Moment aufatmen.

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