Erinnern Sie sich an Ikarus? Das war der olle Grieche, der sich mit Flügeln aus Federn und Wachs in den Himmel schwang. Trotz intensiver Warnungen wurde er übermütig und stieg so hoch hinauf, dass er der Sonne zu nahe kam. Die Hitze ließ das Wachs seiner Flügel schmelzen, die Federn lösten sich, und der vermeintliche Überflieger stürzte ab.
Es wird Sie jetzt nicht übermäßig überraschen, dass an dieser Stelle der Übergang zu den Grünen folgt.
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Ähnlich wie im Marxismus-Leninismus die Menschheitsgeschichte immer nur in eine Richtung verläuft, an deren zwangsläufigem Ende der Kommunismus steht, so schien auch die Entwicklung der grünen Partei und Bewegung nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Es ist noch gar nicht lange her, da eilte man von Wahlsieg zu Wahlsieg und von einer Regierungsbeteiligung zur nächsten.
Der zwangsläufige Endpunkt schien unausweichlich die Eroberung des Kanzleramts durch einen Grünen – also diesmal durch ein echtes eigenes Parteimitglied und nicht durch eine unter falscher Flagge segelnde Sympathisantin wie Angela Merkel.
Erfolg macht sexy. Die Menschen scharen sich lieber um Gewinner als um Verlierer, und so wurden immer neue Umfragehöchstwerte zu einem sich selbst verstärkenden Phänomen. Dazu kam, dass nicht wenigen Menschen grüne Schlüsselwörter prinzipiell ja durchaus sympathisch waren: Umweltschutz, Naturschutz, Verantwortung für den Planeten und Bewahrung der Schöpfung – wer nicht sowieso vehement dafür war, war zumindest auch nicht dagegen.
Kein Zweifel: Der Zeitgeist war grün.
Das galt besonders für die traditionellen Medien. Unter den dortigen Journalisten haben die Grünen mehr Anhänger als alle anderen Parteien zusammen. In der Langzeitstudie „Journalismus und Demokratie“ haben im Jahr 2024 von 525 befragten Journalisten in Deutschland 41 Prozent angegeben, den Grünen nahezustehen. Die SPD auf Platz zwei kommt gerade noch auf 16 Prozent, die AfD ist im nicht messbaren Bereich.
Die Journalistenverbände können ja hartleibig etwas anderes behaupten, aber natürlich beeinflusst so eine ideologische Schlagseite die Berichterstattung. Das ging zunächst von den öffentlich-rechtlichen Anstalten aus, die finanzierungsbedingt sowieso alles sind, aber nicht unabhängig. Sie sind, pardon, notorisch regierungsnah. Und je öfter die Grünen in irgendeiner Landesregierung saßen, desto leichter wurde es für die Grünen-affinen Journalisten in den Landesstudios, der eigenen Neigung zu folgen und die eigene Lieblingspartei bevorzugt zu behandeln.
Der Journalist ist ein Herdentier, und lange Zeit war Twitter sein bevorzugter Lebensraum. Dort gaben die Leittiere die grüne Marschrichtung an, und die Herde folgte. Im Ergebnis kam es zu einer absoluten Dominanz der Grünen in praktisch allen traditionellen Medien in Deutschland.
Das für sich genommen war nicht überraschend. Überraschend war das Ausmaß an Unterwürfigkeit und professioneller Selbstaufgabe, mit dem grünen Politikern vor allem im ÖRR ein maximal bequemes Habitat eingerichtet wurde. In Talkshows mussten sie allenfalls mit Widerspruch von irgendeinem bemitleidenswerten Quoten-Oppositionellen rechnen, der erkennbar nur deshalb eingeladen wurde, um seine Ansichten von allen anderen Gästen zerschreddern zu lassen. In Interviews hatten grüne Gesprächspartner ernsthaft kritische Fragen nicht zu befürchten.
Und ganz allgemein wurde ihnen, ihrer Partei und ihren Positionen mit einem Wohlwollen begegnet, das man nur dann „undistanziert“ nennen kann, wenn man sprachlich ganz, ganz doll untertreiben will.
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Doch der Wind dreht sich.
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