Reichsbürger-Prozess: Wie ein Betrugsgeflecht zum Terror-Spektakel aufgeblasen wird

vor 8 Monaten

Reichsbürger-Prozess: Wie ein Betrugsgeflecht zum Terror-Spektakel aufgeblasen wird
Bildquelle: Tichys Einblick

In einem Beitrag bei WELT zeichnet die renommierte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen aktuell ein Bild des Frankfurter „Reichsbürger“-Verfahrens, das mit der offiziellen Erzählung vom „Abgrund terroristischer Bedrohung“ schwer zusammengeht. Neun Angeklagte sitzen seit Jahren in Untersuchungshaft, ohne dass sie jemals bewaffnet ein Gebäude gestürmt, Menschen verletzt, Geiseln genommen oder getötet hätten. Verhandelt wird nicht über konkrete Taten, sondern über das, was als „abstraktes Gefährdungsdelikt“ gilt: über Szenarien, die theoretisch hätten eintreten können sollen.

Am 1. Dezember 2024 hatte Tichys Einblick denselben Komplex bereits als Gerichtsposse beschrieben und die Frage gestellt: Handelt es sich hier wirklich um Terroristen – oder eher um Betrüger und Betrogene? Damals wie heute steht dieselbe Konstruktion vor Gericht: ein angeblicher „militärischer Arm“ aus Ex-Soldaten, ein „politischer Arm“ um Heinrich XIII. Prinz Reuß und ein „esoterischer Arm“ mit Heilsversprechen und Verschwörungsmythen. Die neuen Schilderungen aus Frankfurt wirken wie eine nachträgliche Bestätigung vieler jener frühen Zweifel.

Innenministerin Nancy Faeser hatte unmittelbar nach den Razzien von einem „Abgrund terroristischer Bedrohung“ gesprochen und die „mutmaßliche terroristische Vereinigung“ als von „gewaltsamen Umsturzfantasien und Verschwörungsideologien getrieben“ bezeichnet, dankte den Sicherheitsbehörden für ihren „gefährlichen Einsatz zum Schutz unserer Demokratie“.

Tichys Einblick spottete angesichts der damals schon bekannten Figuren und ihres Alters über einen „Operettenputsch“ und – mit Blick auf die Rädelsführer – über einen „Rollator-Putsch“.

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