Die schlechten Nachrichten für den Investitionsstandort Deutschland reißen nicht ab. Nun gesellt sich die pharmazeutische Industrie, bislang weitgehend abgeschirmt vom industriellen Niedergang, zu einer wachsenden Gruppe von Unternehmen, die ihr Kapital aus Deutschland abzuziehen erwägen.
Zunächst trat der deutsche Traditionsbetrieb Boehringer Ingelheim an die Öffentlichkeit: Die Geschäftsleitung kündigte zu Wochenbeginn an, eine geplante Investition in Höhe von 900 Millionen Euro unmittelbar zu streichen. Ursprünglich war es geplant, dieses Geld in den Ausbau des Heimatstandorts und in die Erweiterung von Labor- und Fertigungskapazitäten zu investieren. Grund für diese Entscheidung ist die im Rahmen der Gesundheitsreform geplante höhere Rabattierung bei Medikamentenabrechnungen. Die Politik versucht auf diese Weise, die Krankenversicherungen angesichts des steigenden Kostendrucks zu entlasten. Ziel von Gesundheitsministerin Nina Warken ist es, die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Einer der naheliegenden Hebel sind die Rabattstaffeln, die das Verhältnis zwischen Versicherungssektor und Pharmaindustrie regeln.
Dieses System, das eher einer Bewirtschaftung als einer Marktwirtschaft ähnelt, zu reformieren und den frischen Wind von Wettbewerb und Innovation zuzulassen, spielt in den politischen Planspielen der Bundesregierung naturgemäß gar keine Rolle.
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