Osteuropa auf der Überholspur

vor 6 Monaten

Osteuropa auf der Überholspur
Bildquelle: Tichys Einblick

Geht es darum, den wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands in immer blumigere Erzählungen zu kleiden, ist die deutsche Politik um keine Narretei verlegen. Mal liegt es am schlechten Klima, mal an der unmittelbar bevorstehenden russischen Invasion. Und immer wieder sind es die Zölle der US-Regierung, die der deutschen Wirtschaft das Leben schwer machen sollen. Trumps langer Zollschatten muss offensichtlich bis in das Jahr 2018 zurückreichen. Seitdem zerbröseln Industrie und Produktivität der deutschen Ökonomie.

Was die Politik bei ihren medialen Zerstreuungsversuchen jedoch vergisst, ist, dass die Bundesrepublik nicht der einzige Spieler auf dem Spielfeld ist. Unsere Nachbarn und die europäischen Partner agieren im selben ökonomischen Kräftefeld. Entsprechend lassen sich relativ simpel Vergleichsdaten heranziehen, um zu prüfen, was an den märchenhaften Verklärungen von Friedrich Merz und Co. tatsächlich dran ist.

Ziemlich genau eine Generation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eröffnet sich ein spannender Einblick in die ökonomische Verfassung des ehemaligen Ostblocks und seiner Konkurrenz in Westeuropa. Naturgemäß liegen Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum in diesen vergleichsweise jungen Marktwirtschaften höher als in den saturierten westeuropäischen Staaten. Diese haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem der Umverteilung des Erwirtschafteten gewidmet, aufgeblähte Wohlfahrtsstaaten geschaffen und dabei die eigentlichen Kernaufgaben vernachlässigt: Reformarbeit, Standortpflege und die kontinuierliche Wartung der wirtschaftlichen Motoren.

Deutschland ist hierfür das Paradebeispiel. Nach zwei erfolgreichen Nachkriegsgenerationen begann man, Leistungsprinzipien gegen politische Ideologie einzutauschen. Moralinsaurer Aktivismus ersetzte meritokratische, bürgerliche Werte. Umverteilung trat an die Stelle von Leistung. Im Schatten dieses gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verfalls Westeuropas, das sich zunehmend in Richtung eines neuen Sozialismus transformiert, gelang es den osteuropäischen Staaten – insbesondere Ungarn, Tschechien und Polen –, die alte sozialistische Patina abzustreifen.

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