„Wissenschaft ohne Gewissen ist der Untergang der Seele“

vor 4 Monaten

„Wissenschaft ohne Gewissen ist der Untergang der Seele“
Bildquelle: Tichys Einblick

Olivia Maurel wurde von einer Leihmutter geboren. Von sich selbst sagt sie, man habe sie bestellt wie ein Objekt. Noch vor ihrer Entstehung habe man die Fälschung ihrer Identität und die Trennung von ihrer Mutter vertraglich festgelegt. Im Interview mit Tichys Einblick spricht Olivia Maurel über ihre Erfahrungen und über ihr Ziel: Die Abschaffung von Leihmutterschaft.

Tichys Einblick: Frau Maurel, Sie haben auf dem Fachkongress „Kinder und Kommerz“ über Leihmutterschaft gesprochen. Sie selbst wurden von einer Leihmutter geboren. Was bedeutet das für Sie?

Olivia Maurel: Nun, es bedeutet, dass ich bei der Geburt von meiner Mutter getrennt wurde. Und es bedeutet, dass ich mein ganzes Leben lang unter dem Trauma des Verlassenwerdens leiden musste.

Das hat vor allem meine Beziehungsfähigkeit stark beeinflusst. Die Beziehung zu meinen Mitmenschen war sehr kompliziert und belastet. Selbst in Freundschaften hatte ich so große Angst, verlassen zu werden, dass ich die Menschen, die ich liebte, sozusagen erdrückt habe – bis sie mich schließlich verließen, weil sie das Gefühl hatten, ich sei zu viel für sie. Dadurch entwickelte ich Depressionen, und dieser Kreislauf wiederholte sich ständig. Mit Partnerschaften war es dasselbe. Ich hatte chaotische Beziehungen.

Dazu kommt, dass ich auf einem sehr brüchigen Fundament stand. Ich wusste nicht, woher ich kam. Also konnte ich mich nicht selbst aufbauen. Das war unmöglich.

Während Ihres Vortrags sagten Sie, Sie hätten bereits gespürt, dass etwas nicht stimmt, bevor Sie es in Worte fassen konnten.

Ja, ich habe das schon als kleines Kind gespürt. Ich habe keine Erinnerungen an meine Kindheit, bevor ich sechs Jahre alt war. Aber ab dann erinnere ich mich sehr genau daran, wie ich meine Mutter ansah, also die Frau, die mich bestellt hatte. Und wie ich mich selbst im Spiegel betrachtete und dachte: Ich sehe nicht aus wie sie.

Da war ich noch sehr jung. Aber ich hatte bereits dieses Gefühl der Fremdheit, dass ich einfach nicht wie sie aussah.

Und ich spürte eine emotionale Distanz. Es ist nicht so, dass ich sie nicht liebte oder sie mich nicht liebte. Aber da war eben eine ganz eigenartige Distanz zwischen uns. Und dieses Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmte.

Da war noch etwas: Wir lebten damals in Frankreich. Aber jedes Mal, wenn wir in die USA reisten, fühlte ich mich zu Hause. Da war etwas, das sich vertraut anfühlte. Ich habe damals in mein Tagebuch geschrieben: „Ich bin keine Französin. Ich bin Amerikanerin.“ Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Da war ich etwa 8 Jahre alt. Ich habe meine Eltern sogar gebeten, zurück in die Vereinigten Staaten zu ziehen, weil ich es in Frankreich einfach nicht mehr ertrug. Wir zogen tatsächlich dorthin zurück, und ich fühlte, dass das meine Heimat war.

Als die Kinderwunschmesse „Wish for a baby“ in Köln stattfand, waren wir undercover vor Ort, um zu berichten. Es gab ein Seminar, in dem Bestelleltern erklärt wurde, was sie beachten müssen, wenn sie Leihmutterschaft in Anspruch nehmen. Der Referent hatte das Kind, das er mit seinem Partner gekauft hatte, mitgebracht, um das harmonische Familienleben zu demonstrieren. Er gab Tipps, wie man die Kinder über ihre Herkunft aufklären soll. Er meinte: Wenn man das früh ganz selbstverständlich erklärt, macht es keine Probleme, die Kinder empfinden das dann als normal. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel