Harald Schmidt ging ganz nahe an die Kamera ran, wandte sich an den Bundeskanzler und flüsterte: Er, Gerhard Schröder, habe schon verstanden, dass er sich jetzt die Wahl kaufen könne? Es war der August 2002 und die Elbe hatte im Osten des Landes gewütet. Im Kanzleramt saß mit Schröder ein Sozialdemokrat, der sehr wohl verstanden hatte, was Schmidt meinte. Er zeigte sich an der Elbe als Kümmerer, ließ zehn Milliarden Euro an Steuergeld fließen und drehte einen Wahlkampf, in dem er scheinbar aussichtslos gegen Edmund Stoiber (CSU) zurückgelegen hatte.
Handwerklich war Schröder mitunter mangelhaft. Doch in Fragen der PR gab es kaum einen Politiker, der ihm das Wasser reichen konnte. Das bewies er 2002 nicht nur, als im Osten das Wasser durch die Dämme ging. Auch eine außenpolitische Frage half ihm, die Wahl in Deutschland zu drehen. In Washington amtierte George W. Bush und bereitete einen Angriffskrieg gegen den Irak vor, weil der vermeintlich Massenvernichtungswaffen besaß. Nach dem 11. September 2001 hatte Schröder noch Deutschlands „uneingeschränkte Solidarität“ mit den USA versichert und die Bundeswehr in den Einsatz nach Afghanistan geschickt. Doch nun brauchte Schröder das Irak-Thema, um seine eigene Herrschaft abzusichern – und griff zu.
Diese Chance bietet sich nun auch Olaf Scholz. In Washington tritt Donald Trump in gut einer Woche seine zweite Amtszeit an. Öffentlich spricht er davon, auf Kanada, den Panama-Kanal und Grönland zugreifen zu wollen. Bei der dänisch regierten Arktis-Insel schließt Trump nicht einmal die Anwendung militärischer Gewalt aus. Das wäre jetzt die Chance für Olaf Scholz, der wie Schröder in einem aussichtslosen Wahlkampf steckt, nachdem er im Bundestag zugeben musste, dass seine rot-grüne Regierung nicht mehr die Kraft hat, das Land zu führen.
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