Börsenwoche: Nicht die Zahlen entscheiden, sondern die Erwartungen

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Börsenwoche: Nicht die Zahlen entscheiden, sondern die Erwartungen
Bildquelle: Tichys Einblick

Börsianer nippten zum Wochenende an einem sauren Börsen-Cocktail: Die Ankündigung neuer US-Zölle, der Ölpreis kurzzeitig wieder über 100 Dollar, die Eskalation im Nahen Osten und erste Risse in der KI-Euphorie. Der Juli biegt auf die Zielgerade ein. Mit August und September beginnen die statistisch schwächsten Börsenmonate des Jahres. Nach der starken Rally wäre eine Sommerkorrektur keine Überraschung, sondern ein ganz normaler Vorgang. Jetzt wird sich zeigen, ob die 24.700 Punkte dauerhaft halten – oder ob es abwärts geht.

Für einen Lichtblick sorgte am Freitagmorgen SAP. Europas größter Softwarekonzern hat mit seiner Cloud-Sparte die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Aktie legte im frühen Handel um rund vier Prozent zu und stützte damit den DAX. Ganz anders die Autoindustrie. Volkswagen muss einen Gewinneinbruch von rund einem Drittel verkraften. Der Grund ist einfach: An der Börse wird nicht die Vergangenheit gehandelt, sondern die Zukunft. Entscheidend ist nicht, was ein Unternehmen im vergangenen Quartal verdient hat. Entscheidend ist, ob der Ausblick überzeugt und ob die Erwartungen der Investoren erfüllt oder sogar übertroffen werden. Diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch die Börsenwoche – auch in den USA.

Beispielsweise galt Intel lange als einer der Verlierer des KI-Booms. Während Nvidia Rekorde feierte und AMD aufholte, kämpfte der ehemalige Branchenprimus mit Produktionsproblemen und verlor Marktanteile. Umso gespannter blickten Anleger auf die Quartalszahlen. Und Intel lieferte. Das Unternehmen übertraf die Erwartungen und machte mit einem überraschend optimistischen Ausblick deutlich, dass der Umbau des Konzerns erste Früchte trägt. Vor allem das Geschäft mit Rechenzentren und KI-Anwendungen entwickelt sich besser als viele Experten erwartet hatten. Die Aktie reagierte mit kräftigen Kursgewinnen. Intel ist damit zwar noch längst nicht zurück an der Spitze der Halbleiterindustrie. Doch die Zahlen zeigen: Der Konzern ist keineswegs abgeschrieben. Gerade in einer Branche, in der fast ausschließlich über Nvidia gesprochen wird, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.

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