Deutschland könnte über mehrere Jahrzehnte jährlich 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas mit Fracking fördern – selbst unter konservativen Annahmen. Zu diesem Ergebnis kommt Hans-Joachim Kümpel, langjähriger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), in einem Gutachten für die Naumann-Stiftung, wie das Handelsblatt berichtet.
Der Wert entspricht rund 25 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Der Geophysiker argumentiert, dass sich damit die Abhängigkeit von Gasimporten deutlich reduzieren ließe. Kümpel beziffert die per Fracking förderbaren Reserven auf rund 1.000 Milliarden Kubikmeter. Er beruft sich dabei auf Bohrdaten der Geologischen Dienste der Bundesländer und der BGR, deren Chef Kümpel von 2007 bis 2016 war.
Bei der Fördertechnik Fracking werden Wasser, Sand und chemische Zusätze unter hohem Druck in tiefes Gestein – wie etwa Schieferformationen – gepresst, um feine Risse zu erzeugen. So wird in den Gesteinsporen eingeschlossenes Erdgas freigesetzt, das über Bohrungen an die Oberfläche strömt. Fachleute bezeichnen solche Gesteinsformationen als „nicht konventionelle Lagerstätte“. Fracking in nicht konventionellen Lagerstätten ist in Deutschland seit 2017 verboten – wegen möglicher Gefahren für das Grundwasser, über die Experten bis heute streiten. Nur überwachte Erprobungsmaßnahmen zu wissenschaftlichen Zwecken sind grundsätzlich möglich.
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