Was in Neukölln ans Licht kommt, ist nicht bloß ein lokaler Skandal. Es ist ein Dokument völliger moralischer und staatlicher Verwahrlosung. Eine 16-Jährige wurde nach den vorliegenden Berichten Opfer schwerster sexualisierter Gewalt. Und während das Mädchen Schutz gebraucht hätte, kreiste im Apparat offenbar eine ganz andere Sorge: bloß keine „Stigmatisierung“ der mutmaßlichen migrantischen Täter. Nicht das Opfer stand im Zentrum, sondern die politische Hygiene des Milieus.
Der Tagesspiegel berichtete bereits am 11. März, dass Jugendclub und Jugendamt die Polizei trotz der Vorwürfe nicht einschalteten. Intern sei dies damit begründet worden, dass die arabischstämmigen Jugendlichen durch Ermittlungen stigmatisiert würden. Genau dieser Satz zeigt die ganze Fäulnis des Systems. Hier wurde die mögliche Belastung der Beschuldigten höher gewichtet als das Recht eines mutmaßlichen Opfers auf Schutz, Aufklärung und Strafverfolgung. Ein Staat, der so denkt, hat seinen moralischen Kompass nicht verloren. Er hat ihn weggeworfen.
Man muss die Dinge klar benennen. Wenn ein Mädchen vergewaltigt wird und staatliche oder staatlich finanzierte Stellen danach nicht zuerst an Polizei, Sicherung von Beweisen und Opferschutz denken, sondern an die öffentliche Wirkung gegen ein bestimmtes Täterumfeld, ist das keine Panne. Dann ist das ideologische Komplizenschaft. Dann hat sich ein Apparat eingerichtet, der lieber die Wirklichkeit verbiegt, als eine politisch unerwünschte Wahrheit auszusprechen. Das Opfer wird dann zur Nebensache. Hauptsache, das betreute Weltbild bleibt intakt.
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