Wenn Politiker – man kennt das von Potentaten kleinerer Staaten mit nicht übermäßig stabilen politischen Systemen – Auslandsreisen absagen, liegt es mitunter daran, dass sie zu Hause nichts verpassen wollen. Und sie wollen auch vermeiden, anderen die Möglichkeit zu geben, Dinge zu tun, die sie nicht verpassen sollten. Beispielsweise als Regierungschef abzureisen, um sich dann in einem nicht genau definierten Oppositionsstatus wiederzufinden. Es soll sogar schon Fälle gegeben haben, wo dieser Oppositionsstatus, obwohl ungenau definiert, eine Heimreise unvorteilhaft erscheinen hat lassen.
Friedrich Merz hat nun laut Zeit seine Teilnahme beim Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) am kommenden Montag abgesagt. Bisher waren solche EU-Termine sakrosankt. Es gab nichts Wichtigeres. Auch nutzte Merz bisher jede Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt, um seine von ihm tief innerlich empfundenen staatsmännischen Qualitäten darzubieten.
Offiziell ist von „anderen Verpflichtungen“ die Rede. Diese anderen Verpflichtungen, hier noch Plural, sind eine CDU-Präsidiumssitzung, jetzt nur mehr Singular, in Berlin. Weitere Termine, die den Plural gerechtfertigt hätten, sind darüber hinaus nicht angekündigt. Was könnte das CDU-Präsidium wohl Dringliches besprechen wollen, das die Anwesenheit des Staatsmannes Merz zwingend erfordert?
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