Erfrischendes Crescendo zum Brüsseler Moll

vor etwa 1 Jahr

Erfrischendes Crescendo zum Brüsseler Moll
Bildquelle: Tichys Einblick

Als Giorgia Meloni im Oktober 2022 ihr Amt als Ministerpräsidentin Italiens antrat, standen die Chancen nicht schlecht, sich in die lange Liste vorzeitig gescheiterter Regierungschefs einzureihen. Fragile politische Bündnisse, die tiefe Spaltung des Landes in einen wohlhabenden Norden und den ökonomisch zerrütteten Mezzogiorno, systemische Korruption und ein Staatsdefizit, das jede Hoffnung auf Besserung zunichte macht, lasteten von Beginn an wie Blei auf der Neuen im Palazzo Chigi. Hinzu kam: Melonis Regierungszeit stand vom ersten Tag an unter aufmerksamer Vigilanz der Brüsseler Führung – als drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und als kritischer Stützpfeiler im Eurozonen-Konstrukt ist die Zukunft der EU mit der Genese Italiens aufs engste amalgamiert. Gelingt Meloni das Comeback ihres Landes, stärkt sie damit auch die Staatengemeinschaft und die Brüsseler Machtzentrale.

Zwei Jahre nach der Wahl und der Errichtung des Regierungsbündnisses aus Melonis „Fratelli d´Italia (Brüder Italiens), Lega und Forza Italia hat es ganz den Anschein, als lieferte die gebürtige Römerin die gewünschten Ergebnisse. Die italienische Wirtschaft entwickelte sich unter Meloni in schwierigem Umfeld erstaunlich robust. In den Jahren 2023 und 2024 lag das Wachstum jeweils bei 0,7 Prozent, während die Eurozone unterm Strich stagnierte. Die Beschäftigungsquote stieg auf 63 Prozent, die Arbeitslosigkeit sank auf 6,2 Prozent.

Der Niederbruch der deutschen Industrie muss in Rom als politische Warnung verstanden worden sein. Dort hat man erkannt, dass Energiepolitik den Wohlstand einer Nation determiniert. Und man hat ebenfalls verstanden, dass ideologische Infiltration, Zentralisierung und Verstaatlichung des Energiesektors ein barbarischer Akt der Zerstörung nationaler Prosperität bedeuten. Italien setzt seit Melonis Wende verstärkt auf Energiepartnerschaften mit afrikanischen Staaten, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.

Während sich beispielsweise Deutschland nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Kernkraft dem Schlusskapitel konventioneller Energieträger zuwandte, schloss Italien Gasabkommen mit Algerien und Libyen, investierte in Infrastrukturprojekte wie den Ausbau von LNG-Terminals und förderte die Diversifizierung der Energieimporte. Zugleich wird die Atomenergie wieder als strategische Option betrachtet, um Italiens Energiesicherheit langfristig zu stärken. Kurz: Italien arbeitet unter Hochdruck daran, sich energiepolitisch vom Green Deal zu befreien und seine Energieversorgung auf ein tragendes, krisenfestes Fundament zu stellen. Dabei bietet das Obergeschoss des italienischen Energiekomplexes ausreichend Raum für die Installation dezentraler Energieträger wie der Solarenergie, wo dies technisch und ökonomisch sinnvoll ist.

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