Matthias Müller warnt vor „Weg zu einer DDR 2.0“

vor 4 Monaten

Matthias Müller warnt vor „Weg zu einer DDR 2.0“
Bildquelle: Tichys Einblick

Wenn ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen sagt, Deutschland bewege sich in Richtung „DDR 2.0“, dann spricht da kein Berufsrebell. Dann spricht ein Mann, der aus der Industrie kommt, aus einem Milieu also, das den politischen Verfall dieses Landes lange geduldig ertragen, beschönigt oder aus Geschäftsinteresse übersehen, leider ihm auch oft genug mit politischer Hoffierung grüner Phantasterei applaudiert hat. Matthias Müller nennt Deutschland einen „Vollkaskostaat“. Genau das trifft den Zustand der Republik präziser als das übliche Gerede von Transformation, Resilienz und Zusammenhalt.

Der Befund ist so brisant, weil Müller aus eigener Erfahrung weiß, wovon er redet. Er stammt aus der DDR, floh als Kind mit seiner Familie in den Westen und erkennt nun Züge wieder, die in Deutschland immer deutlicher hervortreten: ein wachsender Staat, eine sinkende Eigenverantwortung und eine politische Klasse, die ihre Bürger lieber lenkt als ihnen Freiheit zuzutrauen. Das Wort „DDR“ ist in Deutschland ein politischer Stromschlag. Aber gerade deshalb sitzt es. Müller will nicht Geschichte gleichsetzen. Er beschreibt eine Richtung. Und diese Richtung ist unerquicklich genug.

Denn dieses Land wird seit Jahren in einen fürsorglichen Erziehungsapparat umgebaut. Der Staat mischt sich in Energie, Mobilität, Sprache, Wirtschaft und Lebensführung ein, verteilt Geld, das er nicht hat, und verkauft jede neue Gängelung als moralischen Fortschritt. Gleichzeitig wird Leistung bestraft, Eigentum belastet und unternehmerisches Risiko mit immer neuen Regeln, Abgaben und Verboten belegt. Das Ergebnis ist ein Land, das sich absichert, bis ihm die Kraft ausgeht. Ein Land, das von Zumutungen lebt, aber Reformen für unzumutbar hält. Müllers Vorwurf, die Politik sei mit den nötigen Reformen überfordert, ist fast noch zu freundlich. Sie will viele dieser Reformen gar nicht mehr.

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