„Vergessen ist auch eine Form von Freiheit“, sagt der Volksmund. Das geflügelte Wort bekommt heute Rückenwind. Denn während Sandra Maischberger offenbar vergessen hat, welch ein Finanzdebakel Thomas de Maizière einst als Verteidigungsminister anrichtete, ist er so frei, sich als Elder Statesman zu inszenieren. Gemeinsam mit seinem Erz-Feindfreund Peer Steinbrück übt er sich in jovialer Gelassenheit beim Blick auf die aktuelle Politik. Die beiden altgedienten und längst ausrangierten Minister sollen offenbar demonstrieren, wie gut CDU und SPD doch eigentlich miteinander können könnten, wenn sie nur wollen wollten.
Das allerdings ist etwas dünn für einen interessanten Talkabend. Ergebnis: ein Gespräch, so ermüdend wie belanglos.
De Maizière, der schon damals einen Rücktritt verweigerte (was ihn zu einer Art Poster-Boomer für die heutige Politiker-Generation macht), sitzt also bei Maischberger und salbadert, als wäre nichts gewesen. Wichtigste Erkenntnis: Der Mann kommt immer noch nicht mit diesem neuartigen Internet klar. Er beklagt die Schnelllebigkeit der Zeitläufte: „Die Medienlage ist anders. Gibt keinen Redaktionsschluss mehr. Immerzu wird alles in Fortissimo-Tönen mit Empörungsritualen dargestellt“, stöhnt der 71-Jährige. Über CDU und SPD weiß er: „Je kleiner die Parteien der Mitte werden, umso mehr glauben sie, dass sie ihre Restklientel besonders gut bedienen müssen.“ Auch nicht unbedingt neu, die Erkenntnis. Aber gut, erzähl mal. Danach lecker Aftershow-Buffet und zurück in die Rente.
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