Ein historischer Kniff soll die FDP retten – es hat ja schon einmal so funktioniert. Als „Wendebrief“ ging ein Rundschreiben an die FDP-Mitglieder vom 20. August 1981 in die Geschichte ein: Darin forderte der FDP-Bundesvorsitzende Hans-Dietrich Genscher in einem Brief an die FDP-Mitglieder eine politische Wende in Deutschland nach den Jahren der sozialliberalen Koalition unter SPD-Führung.
„Wendepapier“ wurde das kurz darauf folgende, viel bekanntere Schreiben von Otto Graf Lambsdorff genannt – der FDP-Wirtschaftsminister legte ein „Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ vor, das den Bruch mit der SPD schließlich finalisierte. Genscher kam seiner Entlassung und der seiner Parteifreunde aus dem Kabinett zuvor, indem er deren Rücktritt erklärte. Das anschließende Misstrauensvotum war ein Epochenbruch und leitete die Ära Kohl ein.
Heute sind die Vorzeichen anders. Der FDP geht es deutlich schlechter als damals – und das vermeintliche Scheidungspapier, das Lindner jetzt vorgelegt hat, kommt an Lambsdorffs Thesen nicht heran. Es ist vergleichsweise kurz und müde. Aus der Koalition wird dennoch Gift und Galle gespuckt.
PUTINS KRIEG: Ukraine im Wettlauf gegen die Zeit! Russen erkämpfen sich die Überhand zurück | STREAM










