Mindestens eines haben der Hochstapler Felix Krull und Wolfram Weimer gemeinsam: Beide hielten sich in Portugal auf – Thomas Manns erfundener Aufsteiger in Lissabon, der reale Kulturstaatsminister in Porto.
Was bei Krull ein literarisches Kunstwerk war, wirkt bei Weimer wie eine biografische Konstante: Etappen des eigenen Lebens werden nicht einfach berichtet, sondern verfälscht dargestellt, sodass sie größer klingen, als sie waren.
Das zeigt sich besonders bei zwei Auszeichnungen, die Weimer sich in seinem Lebenslauf zugeschrieben hat: dem „Hanns-Martin-Schleyer-Preis“, den er 1992 bekommen haben will, und der höchst renommierten Auszeichnung „Journalist des Jahres 2004“. In beiden Fällen steht bewiesenermaßen fest, dass Weimer diese Ehrungen nie erhalten hat.
Zuerst berichtete Journalist Alex Wallasch. Ausgangspunkt der neuen Wendungen im Fall Weimer ist eine Vita, mit der er dafür warb, in einen Medienrat gewählt zu werden.
„Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wurde 2009 für fünf Jahre in den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (‚mabb‘) gewählt. Anfang 2015 schied er aus dem Medienrat aus. Im Zusammenhang mit seiner Wahl 2009 hinterlegte Wolfram Weimer umfangreiche Eckdaten zu seinem Lebenslauf [hier archiviert].
Um sicher zu gehen, befragten wir vorab den Medienrat, der telefonisch bestätigte, dass diese biografischen Daten ‚grundsätzlich von den Betreffenden selbst geliefert‘ werden.“
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