Aus „Dichtung und Wahrheit“ des Johann Wolfgang von Goethe wird bei Wolfram Weimer „Leben und Dichtung“ – der Kulturstaatsminister hat sein eigenes Leben zur Erzählung gemacht. Nur: sie stimmt sehr oft nicht.
1966 besucht Wolfram Weimer, zwei Jahre alt, den Kindergarten der Deutschen Schule in Porto. Zwischen 1966 und 1972 lebt die Familie Weimer in der portugiesischen Hafenstadt, Vater Alois unterrichtet an der Deutschen Schule. Die 1901 gegründete Lehranstalt hat 125 Jahre bewegte portugiesische Geschichte miterlebt – bis hin zur Nelkenrevolution 1974, als linksgerichtete Streitkräfte putschten, die Diktatur stürzten und die heutige Republik begründeten.
Wolfram Weimer will das als Kind selbst erlebt haben. Der Deutschlandfunk schreibt: „Weil sein Vater dort Lehrer war, erlebte er als Kind die Revolution in Portugal: Verleger Wolfram Weimer erzählt seinen persönlichen Demokratiemoment.“
Jubelnde Soldaten in einer Straße von Lissabon, 26. April 1974
Doch daran bestehen erhebliche Zweifel. „Kurz vor der Nelkenrevolution 1974 kehrte die Familie wieder in die Barbarossastadt zurück“, heißt es im Nachruf auf den Vater, Alois Weimer, im Gelnhäuser Tageblatt vom 24. März 2016. Auch Weimers eigener Lebenslauf widerspricht seiner Erzählung: Dort ist von einem „Auslandsaufenthalt in Porto“ zwischen 1966 und 1972 die Rede. Von einem persönlichen Erleben der Revolution kann also keine Rede sein. Zudem werden Auslandsaufenthalte üblicherweise Phasen genannt, die man als erwachsener Mensch absolviert – nicht als Kleinkind, das gerade sprechen lernt.
Der „Auslandsaufenthalt“, den der heutige Kulturstaatsminister teils noch in Windeln verbrachte, ist allerdings nicht das einzige Kuriosum in seiner Biografie.
Eine weitere Ungereimtheit in Weimers Lebenslauf betrifft den „Hanns-Martin-Schleyer-Preis 1992“. Den erhielt er nie. Tatsächlich bekam Weimer in diesem Jahr den Friedwart-Bruckhaus-Förderpreis derselben Stiftung – einen Nachwuchspreis für junge Wissenschaftler. Der eigentliche Hanns-Martin-Schleyer-Preis ging 1992 an die damalige Treuhand-Chefin Birgit Breuel, die die Privatisierung ostdeutscher Betriebe abgewickelt hatte.
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