Blackbox KW 7 – Nachrichten aus der Anstalt

vor 5 Monaten

Blackbox KW 7 – Nachrichten aus der Anstalt
Bildquelle: Tichys Einblick

Der Ton macht die Musik, und das, was der US-Außenminister Marco Rubio seinem Publikum auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu sagen hatte, trug er im klassischen Andante vor, langsam genug zum Mitschreiben und schnell genug, um keinen wichtigen Punkt auszulassen. So erfuhr das Publikum, welches bei uns gemeinhin als Elite bezeichnet wird, dass die Massenmigration unsere westlichen Gesellschaften destabilisiert habe, die Deindustrialisierung eine törichte Entscheidung war, und unsere Menschen verarmen, weil wir zahllose Gesetze erlassen, um einen Klima-Kult zu besänftigen. Im Grunde empfahl Rubio wie einst Helmut Schmidt allen unter roten und grünen Visionen Leidenden: Sie sollten zum Arzt gehen.

♦ Während der Rede guckte ein dicker Bischof noch grimmig, aber am Ende erhoben sich alle klatschend von den Sitzen, was wieder einmal zeigte, wie wichtig der Majestätsbeleidigungsparagraf für unsere politische Elite ist. Denn ein Jahr zuvor hatte J.D. Vance dem gleichen Publikum exakt das gleiche ins Stammbuch geschrieben. Da hatten sie sich noch echauffiert.

♦ Die Mainstream-Presse klatschte nicht. Ihr hatte die Merz-Rede am Tag zuvor besser gefallen. Bild nannte sie „groß“, für die Linkspresse war sie „bemerkenswert“ – die Zeit will sogar „eine europäische Unabhängigkeitserklärung“ vernommen haben. Aber bevor Sie sich nun aus Sorge, eine Sternstunde deutscher Politik verpasst zu haben, auf die Suche nach einer Abschrift machen, verehrte Leser, beruhigen Sie sich. Fritz hat im Grunde nur gesagt, was er immer sagt, nämlich, dass bei uns, anders als in den USA, „die Freiheit des Wortes endet“, wenn jemand den Habeck als Schwachkopf bezeichnet, oder, wie er es nennt, „sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz richtet“.

♦ Ansonsten will er „neue Türen aufstoßen, neue Chancen ergreifen“ – etwa in Indien Fachkräfte anwerben und in Südamerika Steaks kaufen –, „den Wildwuchs europäischer Bürokratie beenden“ und die Bundeswehr zu einer Armee machen, „die standhält, wenn sie muss“. Schon jetzt, so Fritz, „stärken wir die Ostflanke der Nato. Dafür entsteht unsere Brigade in Litauen“, aber das war jetzt vielleicht ein blödes Beispiel. Denn Boris Pistorius kriegt besagte Panzerbrigade für Litauen nicht zusammen. Seit dem Ruhen der Wehrpflicht hat Schland de facto eine Freiwilligen-Armee – aber freiwillig will in Kaunas oder Nemenčinė niemand tot überm Zaun hängen. Deshalb plant Boris nun „Tagesausflüge nach Litauen“, damit sich Kandidaten die neuen, schönen Kasernen wenigstens mal anschauen.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel