In diesen Tagen lässt sich eine Menge Psychologie studieren. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer liefert ein Paradebeispiel für eine klassische kognitive Dissonanz. Auf der einen Seite verantwortet er mit The European ein Magazin, dessen Geschäftsmodell möglicherweise im Kern auf der Veröffentlichung nicht autorisierter Texte beruhte.
Auf der anderen Seite zündelt derselbe Mann im schwelenden Handelsstreit mit den USA – ohne auch nur im Ansatz über die möglichen Folgen seiner eigenen, verheerenden Kommunikation nachzudenken.
Bereits in der vergangenen Woche, während seiner Rede auf der Frankfurter Buchmesse, geißelte Weimer die Geschäftspraktiken von US-Medienkonzernen wie X, Google oder Meta als „digitalen Kolonialismus“ und „geistigen Vampirismus“. Mit künstlicher Intelligenz, so der Minister, werde die Kreativität der Nutzer dieser Plattformen regelrecht ausgesaugt – ohne faire Entlohnung und ohne Respekt vor dem Urheberrecht.
Welche Ironie, angesichts der nun von zahlreichen Autoren erhobenen, schweren Vorwürfe gegen Weimer, sich genau dieser Praxis selbst seit 2012 im großen Stil bedient zu haben.
Seine für einen Minister völlig unangemessene Attacke und der groteske Fehlgriff im Tonfall wurden vom US-Sonderbeauftragten Richard Grenell auf der Plattform X bereits in aller Schärfe zurückgewiesen.
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