Kubicki hat gewonnen, FDP hat verloren

vor etwa 2 Monaten

Kubicki hat gewonnen, FDP hat verloren
Bildquelle: Tichys Einblick

Stellen wir uns kurz ein Theater vor. Es ist bankrott. Der Vorhang ist abgerissen, die Kulissen vermodern, und im Saal sind mehr Bühnenarbeiter als Zuschauer. Doch auf der Bühne streiten sich die beiden ältesten Darsteller des Ensembles darüber, wer noch einmal die Hauptrolle spielen darf.

Willkommen bei der Freien Demokratischen Partei Deutschlands.

Mit dem ihr eigenen Stilempfinden hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann den FDP-Bundesparteitag am Samstag wirkungsvoll sabotiert. Wochenlang hatte die Partei um ein Personaltableau gerungen, das den siechen selbsternannten „Liberalen“ zu einem Aufschwung verhelfen sollte. Schließlich einigte sich schon vorab eine große Mehrheit darauf, es mit Wolfgang Kubicki an der Spitze zu versuchen.

Der ist zwar stolze 74 Jahre alt und damit allein schon biologisch nicht direkt das, was man gemeinhin unter „Neuanfang“ versteht. Aber in der Öffentlichkeit ist er mit Abstand am bekanntesten und hat die größten Zustimmungswerte. Deshalb traute die Partei ihm noch am ehesten zu, das schwer Leck geschlagene Schiff wieder flott zu kriegen, bevor es komplett und endgültig absäuft.

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, innerparteilich der Einfachheit halber „MASZ“ genannt, stimmte dem Plan zu und trug ihn ausdrücklich mit.

Jedenfalls dachte man das, aber das war ein Irrtum.

In Wahrheit unterstützte MASZ den Kompromiss mit Kubicki an der Spitze ganz offensichtlich nur zum Schein. Heimlich bastelte sie mit ihren Verbündeten der einflussreichen Parteilinken an einem Überraschungscoup. Erst auf dem Parteitag selbst, wenige Minuten vor der Wahl, erklärte sie plötzlich, dass sie Kubicki nicht mehr unterstützt und nun selbst gegen ihn um den Chefsessel antritt.

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