Der aufflammende Krieg im Nahen Osten sorgt allerorts für Verwerfungen, so auch im Lager rechts der Mitte. Liberal-Konservative werfen dieser Tage nicht nur Linken, sondern auch Rechten Moralismus vor. Dabei waren gerade sie es, die in den vergangenen Tagen als Meister der moralischen Erpressung hervortraten. Wer den Angriff Israels und der USA auf den Iran nicht lautstark bejubelte, stand „auf der falschen Seite der Geschichte“, so die gängige Floskel, die mittlerweile pflichtbewusst wiederholt wird.
Wenn Linke und Rechte aus gänzlich unterschiedlichen Gründen ähnliche Dinge sagen, belustigt man sich wie üblich über eine „Hufeisen“-Allianz, damit ja keine Argumente geliefert werden müssen. Ansonsten kommen wahlweise „Hitler“ oder die Etiketten „Antisemitismus“ und „Antiamerikanismus“ zum Einsatz, die mittlerweile eine ähnliche Wirkung haben dürften wie die Rassismusvorwürfe von Linken.
Im teleologischen Weltbild des Liberal-Konservativen treten ausschließlich die Guten (der Westen) gegen die Bösen (Islamisten und Barbaren) an, um „westliche Werte“ zu verteidigen und einen vagen Begriff der „Freiheit“ zu erkämpfen. Für Abwägungen und Nuancen ist bei Ersatznationalisten aller Couleur kein Platz. Es wird also rein moralisch argumentiert, obwohl das natürlich keine außenpolitische Kategorie ist.
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