Über 1,2 Millionen Mitglieder haben die Evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Kirche 2025 verloren, circa die Hälfte davon durch Austritt. Damit bekennen sich 19,22 Millionen Menschen in Deutschland zum katholischen, 17,4 Millionen zum evangelischen Glauben gemäß der evangelischen Landeskirchen. Vor dreißig Jahren lagen beide mit je über 27 Millionen Mitgliedern noch fast gleichauf.
Die Zahl praktizierender Christen ist noch weit geringer. Während es im Protestantismus keine verbindlichen Parameter gibt, wird für den katholischen Glauben gern der sonntägliche Messbesuch als Indikator herangezogen – denn der ist, wenn keine Hinderungsgründe wie Krankheit oder Berufsausübung bestehen, verpflichtend. Daran gemessen praktizieren nur 6,8 Prozent der getauften Katholiken ihren Glauben.
Ein Kampf gegen den Mitgliederverlust ist nicht festzustellen. Die Amtskirchen scheinen die Abkehr vom Glauben als schicksalhaft hinzunehmen: Von katholischer Seite ist zumindest noch von „Schmerz“ über jeden Austritt die Rede, so ließ der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer verlauten. Bei der EKD: Schweigen im Walde.
Dabei hat christliche Lehre nach Jahrzehnten der Verächtlichmachung erstmals wieder eine realistische Chance, als Orientierung wahr- und angenommen zu werden. Denn der „Neue Atheismus“, von dem seit den frühen 2000er Jahren ätzende, spöttische, zumeist aber oberflächliche Kritik ausging, kann als tot gelten: Mittlerweile sind die Folgen einer wahrhaft entchristlichten Gesellschaft so schockierend, dass selbst Richard Dawkins sich als „kultureller Christ“ bezeichnet. An einen persönlichen und transzendenten Gott will er nicht glauben. Aber in einer Gesellschaft leben, in der niemand daran glaubt, will er auch nicht.
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