Ein Mitarbeiter der Missionsgesellschaft „Open Doors“, die sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt, kommt als Gast in eine evangelische Kirche. Da nimmt ihn der Pfarrer vorab beiseite und sagt zu ihm: „Bitte reden Sie von Gott und nicht so viel von Jesus Christus, denn unsere Gemeinde ist spirituell nicht so einseitig festgelegt.“ Der Missionar ist sichtlich verwirrt: „Was könnte ich von Gott sagen, wenn ich Jesus Christus nicht kennen würde? Ohne Jesus Christus wäre ich Agnostiker oder Atheist.“
Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx besuchen als Repräsentanten der beiden größten deutschen Kirchen 2016 die Klagemauer in Jerusalem. Beide haben ihr jeweiliges Bischofskreuz abgelegt. Seine christliche Grundhaltung sei nicht, das Kreuz „demonstrativ vorneweg zu tragen“ und dadurch „Zwietracht zu säen“, sagte Bedford-Strohm; „ich habe als Repräsentant einer Religion die Aufgabe, friedensstiftend zu wirken. Wenn ich das nicht tue, werde ich meiner Verantwortung nicht gerecht.“ Die jüdischen Gastgeber sind über diese Aussage sichtlich verwirrt und weisen zurück, dass sie das Ablegen des Kreuzes gewünscht hätten. Man wird kaum Frieden stiften und einen echten Dialog führen können, wenn man seine eigene Identität dermaßen ichschwach versteckt, wie das die beiden Bischöfe getan haben. Oder ist das die Identität der deutschen Großkirchen, Jesus Christus als Erlöser und als Zentrum des Gottesverständnisses hinter sich zu lassen, um sich ganz dem Frieden, der Ökologie, der Politik oder anderen Lieblingsthemen widmen zu können?
Neben solchen offensichtlichen Christusverleugnungen gibt es eine noch tückischere Art der Nichtung des christlichen Glaubens: Man hängt Jesus Christus als Zeitenwende zwar ins Schaufenster, aber de facto entthront man ihn, indem man ihn lediglich als Chiffre für allgemeingültige moralische Appelle missbraucht.
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