Der Deidesheimer Hof in – richtig: – Deidesheim an der pfälzischen Weinstraße hat große Zeiten erlebt. Hier ging dereinst Bundeskanzler Helmut Kohl aus und ein und nötigte seine Staatsgäste, darunter Michail Gorbatschow und Margaret Thatcher, mit ihm pfälzischen Saumagen zu essen, eine etwas derbe Spezialität seiner Heimat, die jedoch, raffiniert zubereitet, eine gute Figur machen kann. Fotos an den Wänden der Treppe zur Toilette zeugen von glorreichen Zeiten.
Außerdem soll die „Kanzlersuppe“, eine Kraftbrühe mit Gemüseeinlage, Markklöschen und frischem Liebstöckel, zu Zeiten des Oggersheimers Standard bei Staatsempfängen gewesen sein. Gewissermaßen das teutonische Pendant zur von Paul Bocuse 1975 zu Ehren des französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing kreierten Geflügelkraftbrühe V.G.E. mit Gänsestopflebereinlage und schwarzem Trüffel unter einer Blätterteighaube.
Die ebenso schnörkellose wie wohlschmeckende „Kanzlersuppe“ steht auch heute noch auf der Speisekarte des Restaurants Sankt Urban im Deidesheimer Hof und sie schmeckt tadellos. Allerdings ist die Portion so überschaubar bemessen, dass sie wohl kaum für den mit enormer Leibesfülle ausgestatteten Kanzler ausgereicht hätte.
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