Berlin, Potsdamer Platz. Wieder Pappschilder, wieder Megafone, wieder Jugendliche, die ihrem Unmut Luft machen. „Warum wir und nicht ihr“, „Merz an die Front“ und „Friedrich Merz, leck meine Eier!“ Dazu Trommeln, Antifa-Fahne, Gewerkschaftslogo, ein paar palästinensische Fahnen am Rand. Wer genau hinschaut, erkennt eine überschneidende Klientel zu der von Fridays for Future. Jung, links, antiimperialistisch, Pro Palestine, Pali-Tücher, „Problem-Ponys“. Obwohl die Schnittmenge überdeutlich ist, gelten die Anti-Wehrpflicht-Demos interessanterweise als deutlich weniger wert.
Bei Fridays for Future überschlugen sich Politik und Medien vor Begeisterung. Der Schulstreik war plötzlich kein Schwänzen mehr, sondern „Engagement“. Protagonisten wurden hofiert, herumgereicht, Talkshow-Türen standen offen, Preisverleihungen winkten, Minister überschlugen sich und lobten das „wichtige Signal“. Schulen und Lehrer förderten das Engagement oder standen selbst mit ihren Schülern in der ersten Reihe und winkte mit den Fahnen, damit sie in 68er-Feelings zusammen mit der Jugend die Welt retten.
Und jetzt das. Dieselbe Methode, dieselbe Altersgruppe, dasselbe Milieu. Nur das Thema ist aus politmedialer Sicht das falsche. Statt Klima geht es um Wehrdienst, Musterung, am Ende um die Frage, ob der Staat sich wieder Zugriff auf Jahrgänge organisiert. Da setzt sofort das andere Drehbuch ein: Schulpflicht, Konsequenzen, Sanktionen, Warnungen. Die Berliner Zeitung brachte es auf den Punkt: „Fürs Klima gerne, aber bitte nicht gegen den Wehrdienst“, verbunden mit dem Hinweis, dass in Medien vor dem „Verletzen der Schulpflicht“ gewarnt werde. Genau dort liegt der Nerv.
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