Joseph Beuys, der gläubige Populist

vor 6 Monaten

Joseph Beuys, der gläubige Populist
Bildquelle: Tichys Einblick

Wulst, pflegte er zu sagen, ist das Gegenteil von Kunst. Kunst kommt von Können. Wulst kommt von Wollen. Wer kann, macht Kunst. Wer nur will, macht – nun ja, eben nur Wulst.

Handwerk war für Joseph Beuys unverzichtbar. Er selbst war handwerkliche Spitzenklasse, das wird bis heute oft übersehen. Viele Betrachter moderner Werke schütteln verständnislos den Kopf, häufig ist dazu der Satz zu hören: „Das kann ja jeder.“ Nur allzu oft stimmt das auch, leider. Nur allzu oft fehlt nicht nur künstlerisches Talent, sondern schon die reine handwerkliche Fertigkeit.

Beuys hatte beides: Talent und Können.

Sein Vater war Düngemittelhändler, seine Mutter Hausfrau. Die Eltern verpassten dem Einzelkind eine humanistische Bildung, schickten ihn erst auf eine katholische Volksschule, danach aufs Gymnasium und sorgten dafür, dass er Klavier- sowie Cellospielen lernte. Überliefert sind ein frühes zeichnerisches Talent und ein ausgeprägtes Kunstinteresse des Jungen.

Gerade, als er sich entschlossen hatte, Bildhauer zu werden, kamen die Nazis und der Krieg. Freiwillig, wie so viele seiner Generation, verpflichtete sich Beuys für zwölf Jahre bei der Luftwaffe. Im Jahr 1944 stürzte er über der Krim ab und überlebte nur knapp. Er erlitt zahlreiche Knochenbrüche. Unter anderem brach das Nasenbein, das er sich nie richten ließ.

Später erzählte Beuys immer wieder, wie er von Krim-Tataren gefunden und acht Tage lang aufopfernd mit Hausmitteln gepflegt worden sei – vor allem mit Filz zum Warmhalten und mit tierischem Fett zur Behandlung seiner Wunden. Mit dieser Geschichte wollte Beuys seine spätere künstlerische Vorliebe für die Materialien Fett und Filz erklären.

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