In Gott – Das Ringen mit einem der über allem steht spitzt Peterson seine erkenntnistheoretische Konzeption unseres Weltzugangs auf eine christliche Ontologie zu. Der argumentative Schritt von unserer zielgerichteten Welterschließung auf die Natur des Seins selbst ist dabei tiefgreifend pragmatisch: Gott ist nicht in derselben Weise wirklich und erfahrbar wie ein physisches Objekt, sondern zeigt sich in den Widerständen, Forderungen und Belohnungen einer Realität, der wir in unserem alltäglichen Handeln begegnen. Weltinterpretationen sind demnach nur zu dem Grad langfristig tragbar, in dem sie selbst das pragmatische Muster ihrer zugrundeliegenden moralischen Ordnung inkorporieren. Gerade in Zeiten der kulturellen Desorientierung und der mit dem Fortschrittsglauben einhergehenden Stagnation, so argumentiert Peterson, sind wir daher auf eine Wiederentdeckung traditionell jüdisch-christlicher Werte angewiesen, die ihrerseits eine schlüssige Entbergung voraussetzt.
So bietet Peterson in seinem jüngsten Werk eine Interpretation biblischer Texte an, die auf sein Verständnis unserer Wahrnehmung der Welt aufbaut. Dieses hat er insbesondere in seinem 1999 erschienenen Werk Warum wir denken, was wir denken, darlegt. Peterson beschreibt hier mit seinem Konzept der Bedeutungskarten die Art und Weise, in der wir im Alltag der Welt begegnen. Das Postulieren eines Ziels, beispielsweise in den Supermarkt zu fahren und Brot zu kaufen, strukturiert demnach während wir handeln die Welt, die wir wahrnehmen: nur jene Informationen treten prominent in unser Bewusstsein, die unmittelbar diesem Ziel dienen. Einfache Ziele, wie der Kauf eines Brotes, stehen dabei ihrerseits in einer breiteren Zielhierarchie, in welcher sie höherwertigen Zielen dienen. Unsere hierarchisierten Ziele ermöglichen es uns daher in einer Welt, die unzählige Handlungsmöglichkeiten bietet, konkret zu Handeln.
Nebenbei bemerkt, stellt Petersons Verständnis der Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen, in der modernen Philosophie kein außergewöhnliches Konzept dar. Die Vorstellung, dass wir die Welt zielorientiert wahrnehmen und damit konstruktiv auf eine Situation wirken, findet sich insbesondere im US-Amerikanischen Pragmatismus und in der Phänomenologie wieder und wird auch in den Kognitionswissenschaften vertreten. Insbesondere Prof. Werner Stegmaier bietet mit seiner Philosophie der Orientierung ein ähnliches Konzept.
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