Der Spiegel hat aus seinem üblichen Format des Spiegel-Spitzengesprächs, moderiert von Markus Feldenkirchen, für den Wahlkampf das „Spitzenkandidatengespräch“ gemacht. Zuerst zu Gast: Jan van Aken. Hmm. Ob das jetzt pseudodisruptiv sein, die linke Stammleserschaft beruhigen oder einfach kaschieren sollte, dass kein tatsächlicher Spitzenkandidat kommen wollte, kann man sich dann wohl erst durch den nächsten Gast herleiten.
Mit einer eingehenden Einleitung über seine Vergangenheit als Gentechnik-Experte bei Greenpeace und UN-Biowaffeninspekteur und einem „Herzlich Willkommen“ wird Jan van Aken durch Feldenkirchen begrüßt, der mit einem knappen „Moin moin“ antwortet. Er lächelt aufgesetzt und gibt sich betont gelassen und zufrieden. Der rosarote Pulli, den er sich zu seinen leuchtend blauen Jeans angezogen hat, kann an seiner zusammengesackten Haltung nichts mehr ändern und lässt ihn nur noch grauer und trostloser aussehen.
Aus einem schwarzen Lederkästchen nimmt Feldenkirchen ein edel gefertigtes Glasschälchen mit bunten Bonbons hervor. In seiner Sendung gilt nämlich die Regel, dass Gäste, die Fragen nicht beantworten oder „so ganz schlimmes Politfloskelsprech“ benutzen, zur Strafe einen „sauren Drops“ nehmen müssen. Der klar erkennbare Versuch, diesen Gimmick stilvoll und seriös zu gestalten, verstärkt den unfreiwillig kindischen Faktor nur noch mehr. Doch das ist okay.
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