Der Weltklimarat der Vereinten Nationen nimmt der Klimapolitik eine ihrer beliebtesten Drohkulissen weg. Das Extrembild einer Erderwärmung um vier bis sechs Grad Celsius bis zum Jahr 2100 soll im nächsten IPCC-Bericht verschwinden. Ausgerechnet jene Prognose, mit der über Jahre Angst erzeugt, Politik begründet, Gerichte beschäftigt und Medienseiten gefüllt wurden, gilt nun nicht mehr als brauchbare Leitannahme für dieses Jahrhundert.
Damit fällt noch nicht die Klimadebatte in sich zusammen. Aber ein sehr beträchtlicher Teil ihrer dramatischsten Kulisse bekommt schwere Risse. Der neue obere Rand der IPCC-Szenarien liegt bei etwa 3,5 Grad Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Das bleibt hoch. Es bleibt folgenreich. Doch es ist politisch etwas völlig anderes als jene vier bis sechs Grad, die in Schlagzeilen, Gutachten und Klageschriften wie ein amtliches Weltuntergangssiegel verwendet wurden.
Besonders unangenehm wird diese Korrektur für all jene, die aus dem alten Extremwert längst eine Gewissheit gemacht hatten. Viele Klimaklagen der vergangenen Jahre stützten sich auf genau dieses Katastrophenszenario. Auch düstere Projektionen über einen Meeresspiegelanstieg von mehr als einem Meter bis 2100 wurden stark damit unterlegt. Nun müssen Prognosen, Tabellen und politische Begründungen neu sortiert werden.
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