„Der Erhalt des Bargelds darf nicht dem Zeitgeist unterworfen werden“

vor 8 Monaten

„Der Erhalt des Bargelds darf nicht dem Zeitgeist unterworfen werden“
Bildquelle: Tichys Einblick

Tichys Einblick: Herr von Holst, Sie sprechen in Ihrem Buch von einem „Krieg gegen das Bargeld“. Wann hat dieser Krieg Ihrer Meinung nach begonnen und wer führt ihn?

Hakon von Holst: Der Krieg kam mit dem Aufkommen elektronischer Zahlungsmittel. Wortwörtlich wurde ein „War on Cash“ ausgerufen. Unter anderem von dem Kreditkartenunternehmen „Mastercard” auf einem Kongress Mitte der 2000er. Damals war auch ein leitender Mitarbeiter aus der EU-Kommission vor Ort. Er positionierte sich klar, dass er mit diesem „Krieg gegen das Bargeld“ einverstanden sei. Die EU-Kommission bemühte sich daraufhin, den digitalen Zahlungsverkehr zu fördern, und half somit den Banken, ihre Marktposition auszubauen und das Bargeld zu verdrängen.

Es handelt sich also nicht um eine neue Entwicklung?

Das Ganze zieht sich jetzt seit 20 Jahren durch die Politik. Ich nenne ein paar Beispiele: Mit der EU-Interbankenentgelt-Verordnung von 2015 sanken vorübergehend die Gebühren für digitale Zahlungen, die der Handel zu tragen hat. Infolgedessen verschwanden die Infoschilder an den Ladenkassen. Früher war da nämlich zu lesen, dass Kartenzahlung erst ab 10 Euro möglich ist. Das Gesetz hat man gemacht, damit der Handel Kartenzahlung ab null Euro akzeptiert und damit die Leute digital zahlen. Das war die Absicht dahinter.

Zudem hat Deutschland auf eine EU-Richtlinie hin verboten, dass der Handel Gebühren für Kartenzahlungen an den Kunden weiterreichen kann. Genau das hat der Chef von dm kürzlich in einem Beitrag für die Wirtschaftswoche kritisiert.

Bereits die erste EU-Zahlungsdienste-Richtlinie brachte mit sich, dass die Banken keine Freipostenregelung mehr vorsehen müssen. Früher waren die Banken in Deutschland verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an unentgeltlichen Bargeld-Einzahlungen und -Auszahlungen am Schalter zu gewähren. Jetzt ist es möglich, dass die Bank für jede Bargeldauszahlung eine Gebühr berechnet.

Was hat Sie dazu bewegt, sich so intensiv für den Erhalt des Bargelds einzusetzen, sogar eine Petition zu starten?

Ich bin seit 2019 schwerpunktmäßig am Thema dran. Der Finanzfachmann Hansjörg Stützle, der seit zehn Jahren eine Bewegung für das Bargeld aufbaut, hat mich für die Sache gewonnen. Ich frage mal salopp: Möchten Sie, dass in Zukunft die KI-Anwendungen von Online-Banken darüber entscheiden, ob Ihre Karte funktioniert und ob sie sich etwas zu essen kaufen können? Oder sollen schon unsere Kinder mit dem Smartphone das Konsumieren lernen, anstatt den guten Umgang mit Geld? Wer mit Bargeld zahlt, so zeigen Studien, gibt sein Geld überlegter aus und steht stabiler im Leben und gerät nicht so schnell in die Schuldenfalle.

Es ist klar, dass wir Bargeld im Alltag nutzen müssen. Überall, wo es geht. Sonst müssen wir uns irgendwann der Diskussion der Verhältnismäßigkeit stellen. Ob wir dieses Geldautomatennetz noch aufrechterhalten können und ob es verhältnismäßig ist, wenn der Einzelhandel Bargeld annehmen muss. Das ist nur realistisch, wenn eine kritische Masse von Menschen mit Bargeld bezahlt.

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