Der CDU-Abgeordnete und Virologe ist gemeinsam mit seinem Mann Vater geworden. Ein Sohn, geboren in den USA, wo nun noch Papiere zu regeln sind, bevor die neue Familie nach Deutschland zurückkehren kann. Die Medien reagieren erwartbar: viel „Babyglück“, viel Privates, viel Gefühl. Politik spielt in diesen Meldungen nur Statistenrolle, Streecks Ämter werden der Vollständigkeit halber erwähnt, aber nicht verhandelt.
Es ist die Art Nachricht, die zeigt, wie sehr auch der politische Betrieb nach Momenten des Unpolitischen lechzt – und wie schnell er sie in weiche Geschichten verwandelt, die niemandem wehtun. Das Kind wurde in den USA (Idaho) geboren; das Paar wartet dort noch auf die Ausstellung des Reisepasses, jubelt „Der Tagesspiegel“. Streeck bestätigte die Geburt selbst und sprach von großer Freude: Das Kind gebe seinem Leben „noch einmal einen neuen Sinn“, weiß t-online. Gerne freut man sich mit dem glücklichen Paar. Aber geht es nur um die zwei Männer? Gibt es vielleicht doch eine Frau – und ein Kind? Freuen die sich auch?
Die wahre Story liegt dahinter und geht unter: Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Auch für Politiker sollen früher Gesetze gegolten haben.
Rechtlich ist das über zwei Gesetze abgesichert: Zum einen verbietet das Embryonenschutzgesetz Ärzten, eine Schwangerschaft für eine Leihmutter herbeizuführen. Zum anderen untersagt das Adoptionsvermittlungsgesetz die Vermittlung von Leihmüttern. Wichtig ist die juristische Konsequenz: Als Mutter gilt in Deutschland immer die Frau, die das Kind geboren hat – unabhängig von genetischer Abstammung oder Verträgen. Nicht strafbar ist in der Regel das Verhalten der Wunscheltern selbst, weshalb viele Paare ins Ausland ausweichen. Das führt dann allerdings oft zu komplizierten Rechtsfragen bei Staatsbürgerschaft und Elternschaft nach der Rückkehr.
Der Politiker Streeck hat also ein sehr eigenwilliges Verständnis von Gesetzestreue. Die verlangt man vom Bürger, aber nicht von den Mächtigen. Und die beiden Männer demonstrieren ihr Glück. Keinerlei Rede ist von der Mutter, in der das Kind gewachsen ist und die es zur Welt gebracht hat. Kinder werden zur Ware, Frauen zur mehrfach genutzten Gebärmaschine. Brauchen wir nur noch Väter, aber Frauen nur noch als Bio-Reaktoren? Sind Kinder beliebig bestellbar? Gibt es irgendeine Beziehung zwischen Mutter und Kind, oder ist Frau nur noch eine Reproduktionsfabrik? Das sind Fragen, die in einem sensationellen Buch behandelt werden.
In „Wo bist du, Mama“ erzählt Olivia Maurel ihre Lebensgeschichte. Eine glamouröse Kindheit, dann Alkohol, Drogen, Suizidversuch. Heilung beginnt, als sie die Lebenslüge entlarvt, die am Anfang ihrer Existenz stand: Olivia wurde von ihren Eltern gekauft. Eine Wunde, die ihr ganzes Leben geprägt hat. Wir wiederholen die Besprechung des Buches von Anna Diouf:
1991 wurde Olivia Maurel geboren, ausgetragen von einer Leihmutter. Anders als viele andere Betroffene hat sie Angst und Traumata überwunden und spricht offen über das, was Leihmutterschaft für ihr Leben bedeutet.
„Leihmutterschaft ist der Verkauf eines Kindes“, schreibt sie unumwunden. Sie selbst wurde auf diese Weise „zu einer Konsumware degradiert“.
Mit „Wo bist du, Mama“, liegen ihre Erinnerungen und ihr Plädoyer für die Abschaffung von Leihmutterschaft nun in deutscher Übersetzung vor. Ein kurzes, kompaktes Buch, erschütternd in seiner Einfachheit – und eine unverzichtbare Informationsquelle für jeden, der wissen möchte, was Leihmutterschaft bedeutet.
„In den meisten europäischen Ländern ist Leihmutterschaft verboten (…). Dieses Verbot hat nichts mit der ‚progressiven‘ oder ‚konservativen‘ Ausrichtung der jeweiligen Länder zu tun, sondern schlichtweg mit einem bestimmten Verständnis von Humanismus, mit dem Prinzip der Menschenwürde und dem gesunden Menschenverstand“, stellt Maurel klar. Die Atheistin und Feministin will deutlich machen: Hier geht es nicht um links oder rechts, religiös oder säkular. Der Kampf gegen Leihmutterschaft ist in ihren Augen eine humanitäre Verpflichtung. Einerseits werden hier Fakten zum Leihmutterschafts-Business aufbereitet, andererseits dient Maurels eigenes Schicksal als Fallstudie, die eindrücklich zeigt, wie sich Daten und Fakten im persönlichen Erleben, im individuellen Schicksal manifestieren.
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