In den USA regiert zur Zeit ein Präsident, dem man vieles nachsagen kann, aber sicherlich nicht Untätigkeit oder die Neigung, den Niedergang seines Landes nur zu verwalten, wie das viele europäische Regierungschefs ja faktisch tun. Trump ist ein ruheloser Aktivist und unerbittlich, oft allerdings auch geradezu fanatisch im Kampf gegen seine politischen Feinde. Zu diesen Feinden rechnet er ohne Zweifel die meisten amerikanischen Universitäten oder zumindest die Eliteuniversitäten und ihre Dozenten. Einerseits findet man hier unter den Professoren in der Tat kaum noch überzeugte Republikaner. Linksliberale und Linke beherrschen die Fakultäten meist uneingeschränkt, besonders in den Geisteswissenschaften.
Auch bestimmte Entwicklungen in Europa scheinen darauf hinzuweisen, dass die woke Welle an Kraft verloren hat. Das gilt besonders, wenn man auf die Wirkmächtigkeit der Transgender-Bewegung, die die Relevanz des biologischen Geschlechtes von Menschen leugnet, blickt. In einem aufsehenerregenden Urteil kam der britische Supreme Court im April dieses Jahres zu dem Schluss, dass die Bestimmungen des 2010 verabschiedeten Gleichstellungsgesetzes (Equality Act), die sich auf die Rechte von Frauen beziehen, tatsächlich nur auf Frauen im biologischen Sinn, also nicht auf Transpersonen anzuwenden seien. Das führte im woken Lager naturgemäß zu einem beispiellosen Wutausbruch und es ist auch ganz unklar, ob die schottische Regierung, gegen die eine Vereinigung von Frauen in diesem Fall geklagt hatte, dieses Urteil wirklich beachten und umsetzen wird.
Aufschlussreich für die Entwicklungen der letzten 10 Jahre ist im Übrigen ein Artikel im Daily Telegraph, den vor kurzem (26. Juli) der Master eines College in Cambridge (Selwyn College) publizierte. Der Master, Roger Mosey, ist eher ein traditioneller Liberaler als ein Konservativer, und an seinem College, das nicht zu den älteren, besonders prestigeträchtigen in Cambridge gehört, war die Atmosphäre sicher immer weniger konfliktträchtig als anderswo. Mosey bestätigt aber, dass in der Universität insgesamt Selbstzensur etwa bei Biologen, die an der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen festhielten, zum Normalfall wurde. Man vermied es einfach, die eigene Meinung offen zu äußern und das galt oft auch für die Minderheit eher politisch konservativer Fellows und Dozenten. Tat man es doch, wurde man nicht selten gemobbt und drohte zur sozialen Unperson zu werden. Aktivistische Studenten, die erklärten „Worte sind Gewalt“, setzten Andersdenkende erfolgreich unter Druck, oft unterstützt von ihren Verbündeten unter den Professoren, die auf diese Weise zum Teil auch alte Rechnungen in akademischen Fehden, die ganz andere Ursachen hatten, begleichen wollten.
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