Hat die AfD ihren Zenit erreicht?

vor 4 Monaten

Hat die AfD ihren Zenit erreicht?
Bildquelle: Tichys Einblick

Eigentlich war der Wahlabend in Baden-Württemberg ein Heimspiel für die Alternative für Deutschland. Sie hat sich trotz Anti-AfD-Kampagnen nahezu verdoppelt. Doch statt in der Berliner TV-Runde live dabei zu sein, ließ sich Parteichefin Alice Weidel am Abend ihres Erfolges aus Stuttgart zur Wahlauswertung mit den Spitzenvertretern von CDU, SPD und Grünen nur hinzuschalten. Kann man machen, ist aber fern der Studiosituation nicht sehr geschickt.

Schließlich wirft Weidel dabei der SPD ihr katastrophales Ergebnis von nur noch 5,5 Prozent vor, das ist okay. Aber sie glaubt, so sicher zu sein, den bis dato unbekannten SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf persönlich anzugehen: „Ich habe Sie irgendwie noch nie gesehen. Aber ich glaube, Sie sind von der SPD, nicht wahr?“ Doch Frischling Klüssendorf von der schwindsüchtigen SPD kontert cool mit ihrem Wohnsitz in der Schweiz: „Wenn Frau Weidel ihren Wohnsitz in Deutschland hätte, dann würde sie mich vielleicht kennen.“ Patsch, das hat gesessen.

Im Hochgefühl von Wahlsieg zu Wahlsieg geht den AfD-Spitzen oft Professionalität und Pflicht für die sie wählenden Bürger abhanden. Dabei müsste eine Partei, die unter Dauerfeuer vor einem antidemokratischen Schutzwall der Blockparteien von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Ex-SED-Linken steht, bedacht sein, ihren Gegnern nicht noch die Munition frei Haus zu liefern.

Doch das passiert in letzter Zeit immer öfter, ob verkorkste Wahlkämpfe, innerparteilicher Streit, falsche Taktik, Personalquerelen oder unprofessionelle Auftritte. Erfolg macht eben leichtsinnig. Dabei gerät die eigentliche Aufgabe der AfD, die Vertretung von Volkes nicht gehörter Stimme in den Parlamenten, zum Frust ihrer Wähler in den Hintergrund.

Denn die AfD-Themen wie Innere Sicherheit, Begrenzung der Migration, deutsche Leitkultur, Energie- und Wirtschaftspolitik mit Verstand statt Klimaideologie stehen bei den meisten Bürgern an erster Stelle. Dafür senden sie mit ihrer Stimme die AfD-Volksvertreter in die Parlamente.

Nur was erlauben sich die Spitzenkandidaten der Alternative? Statt in den letzten Tagen im Wahlkampf noch einmal alles zu geben, angesichts vieler unentschlossener Wähler, reiste Baden-Württembergs AfD-Spitzenmann Markus Frohnmaier einfach in die USA, weil der Abgeordnete Frohnmaier im Bundestag auch außenpolitischer Sprecher der Fraktion ist, und ganz nah an der US-Administration dran sein möchte. Das kann er sicher machen, aber nicht jetzt!

Man könnte sagen, er schwänzte einfach mehrere Tage in der Woche direkt vor seiner Landtagswahl und verpasste so auch noch den Wahlkampf-Abschluss. Die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla standen in Rottweil stattdessen ohne Spitzenkanditen allein auf der Bühne herum. Frohnmaiers Motto: Wählt mich, aber ich bin kurz mal weg.

Das ist höchst unprofessionell und ein politisches No-Go. Frohnmaier hat schließlich für seine Wähler da zu sein, die mit ihm eine Hoffnung auf Wandel verbinden. Mehr noch: Der Spitzenkandidat bleibt im Bundestag und geht nicht in den Landtag, weil er nur Ministerpräsident werden wollte. Was für eine krude Taktik.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel