Wenn Altkanzlerinnen oder Ex-Minister plötzlich unverhofft aus der Deckung springen, sollte man gewahrschaut sein. Droht da etwa die Rückkehr auf die politische Bühne? Je lauter sie es bestreiten, umso verdächtiger. Merkel bald Bundespräsidentin? Lindner bald wieder FDP-Chef? Der Auftritt des gescheiterten Ampel-Ministers bei Hart aber Fair jedenfalls macht hellhörig.
Ein Jahr Lindner-Abstinenz zeigt, was uns in diesem relativ kurzen Zeitraum bereits alles abhanden gekommen ist. Aalglatte Rhetorik etwa, die Kunst, eigenes Unvermögen und fragwürdige Konzepte zumindest in wohlfeile Worte zu kleiden, das haben wir lange nicht mehr erlebt. Ein Kanzler, der sich auf primitivste Art ständig selbst widerspricht und ein Vize, der kaum mehr kann als heiße Luft in Sprechblasen abzufüllen, sie alle haben uns semantisch demütig gemacht.
Bei Hart aber Fair darf nun Lindner, der mittlerweile als Automanager arbeitet, mal wieder vorfahren und mächtig auffahren. Welche Schuld tragen Sie am langsamen Tod der FDP?, will Moderator Louis Klamroth wissen. Und Lindner hebt an: „Ich hab’ für meine Überzeugung Ämter und Karriere verloren.“ Eine Rückkehr käme für ihn keinesfalls in Frage. Was er zum Benzinpreis – Thema der Sendung – sagt, ist kaum von Bedeutung. Dass der Staat kräftig am Sprit verdiene, etwa. Oder dass das Kartellamt die explodierenden Preise wohl nicht stoppen werde. Und ja, auch ein Lindner kann heiße Luft in Stufe Zwo: „Dass wir die individuelle Mobilität für die Menschen erreichbar halten“, ist ihm wichtig, und wegen solcher Sätze vermisst ihn am Ende dann auch keiner.
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