Seit etwa einem Jahr landet eine stetig wachsende Zahl von Migranten auf Gavdos, einem abgelegenen Eiland zwischen Kreta und Nordafrika. Es sind vor allem junge Männer aus Sudan, Eritrea, Ägypten, dem Jemen und Bangladesch. Ihre Schleuser starten in Libyen und geben den Auftrag, Ausweisdokumente noch auf See oder kurz nach Ankunft zu vernichten. Was auf Gavdos anlandet, ist ein blinder Passagierstrom, völlig unregistriert und faktisch unkontrolliert.
Die Route über mehr als 150 Seemeilen von Tobruk nach Gavdos gilt inzwischen als eine der gefährlichsten im Mittelmeerraum. Über 2.200 Menschen kamen allein 2024 hier ums Leben, mehr als 1.000 gelten als vermisst. Während man im Osten der Ägäis Frontex-Patrouillen und EU-Augen zählt, herrscht auf Gavdos stille Katastrophenroutine. Protothema berichtet seit mehreren Jahren zu den Krisenzuständen auf Gavdos.
Vor Ort kämpfen zwei überlastete Küstenwächter ohne Patrouillenboot, ohne funktionierendes Fahrzeug, ohne Internetverbindung. Der Staat ist faktisch abwesend. Die Zusammenarbeit mit Frontex gilt als gestört, wenn nicht gescheitert. Die Versorgungslage ist prekär. Ein einziger provisorischer Auffangpunkt existiert, untergebracht in Agia auf Kreta. Die Boote, die dort anlanden, bringen täglich im Schnitt 200 Menschen. Und mit jedem neuen Tag werden es mehr.
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