Gefährliche Interventionen in den Preismechanismus, Kurssprünge nach der Öffnung der Straße von Hormus

vor 3 Monaten

Gefährliche Interventionen in den Preismechanismus, Kurssprünge nach der Öffnung der Straße von Hormus
Bildquelle: Tichys Einblick

Seit Ausbruch des Iran-Krieges melden sich praktisch täglich Politiker mit Vorschlägen zu Wort, wie sie die Preise an den Tankstellen drücken wollen. Sie erhoffen sich davon einen Popularitätsgewinn. Solche Thesen finden dabei häufig Beifall; denn das Misstrauen gegenüber der Marktwirtschaft ist in Deutschland tief verwurzelt; die Leute tun sich schwer, das emotionsfreie Ergebnis der Preisbildung bei Gütern, Dienstleistungen und Arbeitskraft durch Angebot und Nachfrage zu akzeptieren. Geframet wird das Ganze als Marktversagen. Der Staat verschafft sich durch dieses Framing ein Alibi für Marktinterventionen.

Dabei schadet dem Wohlstand nichts so sehr wie das Aushebeln des marktwirtschaftlichen Preismechanismus. Ludwig Erhard wusste das und machte das deutsche Wirtschaftswunder möglich, indem er das freie Spiel von Angebot und Nachfrage ermöglichte, und – wie es Walter Eucken, der Begründer des Ordoliberalismus formulierte – die zentrale Aufgabe der Wirtschaftspolitik darin sah, „den Preismechanismus funktionsfähig zu machen“. Also das genaue Gegenteil dessen, was wir gerade erleben. Auf einen großen Denker der österreichischen Schule der Nationalökonomie, Carl Menger, geht die Erkenntnis zurück, das der Preis „nicht etwa eine willkürliche Größe“ ist, sondern „das Ergebnis der ökonomischen Situation der Tauschenden, namentlich aber ihrer Wertschätzung für die betreffenden Güter“. Nicht Willkür oder Kosten entscheiden gemäß Menger über die Höhe der Preise, sondern die vom persönlichen Nutzen und von der Wertschätzung getriebene Nachfrage der Konsumenten.

Nach dieser Sicht sind die Spritpreise derzeit so hoch, weil die Deutschen ihre individuelle Mobilität sehr hoch wertschätzen. Erst die hohe Zahlungsbereitschaft der Nachfrager erlaubt es den Mineralölkonzernen, die kriegsbedingt sehr hohen Rohölpreise an den internationalen Märkten an deutschen Tankstellen durchzusetzen. ​Preisbremsen sind gefährlich, weil sie an die Nachfrager falsche Signale senden. Sie erhöhen die Nachfrage und mindern die Anreize für die Anbieter, das Angebot auszuweiten. Knappe Güter werden dadurch noch knapper. Mineralölkonzerne werden nicht in neue Bohrtechniken investieren, wenn der Staat ihnen mit einer Übergewinnsteuer droht. Man kann die Effekte im Berliner Mietmarkt besichtigen: Warum sollten Investoren neue Wohnungen bauen, wenn sie damit rechnen müssen, das diese demnächst der Mietpreisbremse unterworfen werden?

Preise verdichten Informationen über veränderte Knappheitsverhältnisse in einer einzigen Größe. Marktpreise demokratisieren den Zugang zu Informationen. Sie sind dadurch die Grundlage für Wohlstand und Fortschritt. Ein Blick zurück bestätigt das. Der rasante Anstieg der Ölpreise während der Ölkrise in den 1970ern sorgte dafür, dass die Menschen neue Dämmmaterialien entwickelten, alte Heizungen ersetzten, die Motoren effizienter machten und das Recyclingverfahren einführten. Heute beträgt der Energieeinsatz je Einheit Bruttoinlandprodukt nur noch etwa so viel wie vor 50 Jahren. Unterbricht der Staat diesen Wirkungszusammenhang, richtet er Schaden an.

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