Der Kabarettist Uwe Steimle hat auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau die DDR-Nationalhymne angestimmt, und alle Welt schreit auf. CSU-Generalsekretär Martin Huber spricht von einem „brutalen Unrechtsregime“ und davon, dass die AfD Deutschland und unsere Gesellschaft spalte.
Noch-Kanzleramtschef Frei nennt den Vorgang „extrem befremdlich“. Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, spricht sogar von „unerträglicher Geschichtsvergessenheit“. Obwohl die ganze Geschichte – wie die Videos deutlich zeigen – improvisiert war und einer Art kabarettistischem Klamauk glich, wurden also wieder einmal große Geschütze aufgefahren. Die Empörung zeigt auch eines: einen Mangel an geschichtlicher Bildung. Werfen wir einmal einen Blick zurück.
Am 22. November 1949 verfasste Thomas Mann einen bemerkenswerten Eintrag in sein Tagebuch. In Palo Alto schrieb er: „Becher und Eisler haben eine neue National-Hymne hergestellt, gestimmt auf Einheit und Frieden, die kein Volksfeind stören soll. – Gefühl des Ephemeren, Überholten und Unsinnigen, Friedensmilitarismus. Aber was ist das Rechte und was hat Zukunft?“
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