Der große Fernandes-Neubauer-HateAid-Hayali-Flachfake

vor 4 Monaten

Der große Fernandes-Neubauer-HateAid-Hayali-Flachfake
Bildquelle: Tichys Einblick

Im März 2026 stellte sich heraus, dass es im Jugendclub Wutzkyallee in Berlin-Neukölln im November des vergangenen Jahres nach bisherigem Erkenntnisstand zur Vergewaltigung eines 16-jährigen Mädchens durch mehrere Jugendliche kam, die von der Tat auch Videoaufnahmen anfertigten. Außerdem drang nach und nach an die Öffentlichkeit, dass die Aufsichtspersonen in dem Club und etwas später auch das Jugendamt Neukölln darüber Bescheid wussten, aber keine Anzeige erstatteten, sondern dem betroffenen Mädchen nur ein so genanntes ’safe word‘ gaben, also eine Art Code, mit dem sie neue Übergriffe melden konnte. Die mutmaßlichen Täter stammen aus muslimischen Familien, die Club-Mitarbeiter, so heißt es, wollten die Polizei nicht einschalten, weil sie „eine Marginalisierung der Tätergruppe“ und einen „Generalverdacht“ befürchteten.

Im Januar belästigte der gleiche Täterkreis das Mädchen in dem Jugendclub erneut. Die Jungen drohten, das Video von der Tat ihren Eltern zu schicken, einer kurdischen Familie, wenn sie ihnen nicht weiter zur Verfügung stünde. Außerdem verlangten sie, dass sich auch ihre Schwester dort einfinden sollte. Das Mädchen vertraute sich schließlich in ihrer Not erst einer Beraterin und dann ihrem Vater an, der am 23. Februar Strafanzeige erstattete. Im zuständigen Jugendamt wusste man laut Akten schon gut drei Wochen vorher Bescheid, nämlich seit dem 28. Januar. Die Begründungen, warum Clubmitarbeiterinnen und Jugendamt hier Täterschutz betrieben, wechselten im Lauf der Affäre.

Erst hieß es, sie konnte keine Strafanzeige erstatten, weil sie die Namen der Täter nicht gewusst habe – so, als gäbe es keine Möglichkeit einer Anzeige gegen Unbekannt. Dann stellte sich aber heraus, dass eine Mitarbeiterin des Jugendclubs zwei der Jugendlichen bei einem späteren Übergriff auf frischer Tat ertappt und ihnen Hausverbot erteilt hatte. Die nächste Rechtfertigungsvariante lautete, man habe eine Strafanzeige nicht ohne Zustimmung des Opfers erstatten wollen. Wo und wann die Verantwortlichen das Mädchen überhaupt danach gefragt haben wollen, erklärten sie bisher nicht. Warum sich das Opfer, das angeblich keine Einschaltung der Justiz wollte, erst einer Vertrauensperson und dann ihrem Vater offenbarte, kann bis jetzt weder das Personal des Clubs oder die Jugendamtsleiterin noch die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel von der Linkspartei erklären. Nagel denkt bislang auch nicht an Rücktritt, bisher ließ sie zu der wochenlangen Vertuschungsaktion nur schriftlich verlauten, es sei keinesfalls irgendetwas vertuscht worden. Und nein, um den „Hintergrund“ der mutmaßlichen Täter sei es nie gegangen.

Immerhin, das weiß die Politikerin schon jetzt mit Sicherheit, obwohl die Ermittlungen erst seit gut vier Wochen laufen. Bisher verlor keiner der Zuständigen den Job. Die Grünen in Neukölln lehnen eine Abwahl Nagels ab und erklären, sie wollten nichts überstürzen und erst einmal die Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 30. März abwarten. Der Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvize Andreas Audretsch versprach: „Wir werden akribisch aufklären“.

Dem einen oder anderen dürfte der Name Audretsch bekannt vorkommen: Just zu der Zeit, als es 2024 um die vielversprechenden Plätze auf der Berliner Landesliste der Grünen ging, fanden Belästigungsvorwürfe gegen den Grünen-Parlamentarier Stefan Gelbhaar den Weg in die Öffentlichkeit, unter anderem auch zum ARD-Sender RBB, für den Audretsch früher einmal arbeitete. Der Sender stellte die Vorwürfe gegen Gelbhaar mit Hilfe einer angeblich Betroffenen als praktisch schon bewiesen dar; Gelbhaar verlor seinen sicheren Platz 2 auf der Landesliste, den Audretsch bekam, der damals auch den Wahlkampf Robert Habecks leitete. Bei dem vom RBB präsentierten Opfer handelte es sich um eine Schauspielerin, bei der eidesstattlichen Erklärung, auf die sich die Beschuldigung stützte, um eine Fälschung. Wer bei dieser Intrige die Fäden zog, ließ die Partei bis heute im Dunkeln. Kurzum: Ein besserer Aufklärer als Audretsch findet sich nicht so leicht.

Von der echten Vergewaltigung und dem realen Erpressungsvideo in dem Jugendklub Wutzkyallee fand nichts zu der Tagesschau, den Tagesthemen oder Dunja Hayalis heute-journal, obwohl der Fall von Anfang an eine politische Dimension besaß, erstens in Berlin selbst, aber auch dadurch, dass er stark an den britischen Grooming-Gang-Skandal erinnert: In Rotherham und anderswo missbrauchten überwiegend Pakistanische Gangs jahrelang weiße Mädchen, die aus Fürsorgeeinrichtungen oder zerrütteten Familien stammten. Viele der Opfer waren minderjährig. Über die Taten wussten Betreuer in Jugendämtern und irgendwann auch die Polizei Bescheid. Sie schritten nicht ein, um Muslime nicht zu „stigmatisieren“. Kürzlich lehnte das britische Unterhaus die Forderung ab, genauer zu untersuchen, wer damals alles die schützende Hand über die Gangs hielt. Auch hier lautete die Begründung wieder, eine groß angelegte offizielle Nachforschung dazu sei nur geeignet, Vorurteile zu schüren.

Die landesweiten Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen hoben die Vorgänge in Berlin-Kreuzberg auch dann nicht auf ihre Agenda, als die Bild einen ganz ähnlichen Missbrauchsfall in einem Jugendclub im niedersächsischen Zeven schilderte, der erst einmal unter der Decke blieb. Auch hier drehten die Täter ein Video. Bei den drei Verdächtigen handelt es sich um einen Niederländer unklarer ethnischer Herkunft, einen Iraner und einen Syrer.

Diese Taten und die anschließenden Vernebelungsaktionen spielten sich vor dem 20. März 2026 ab, einem für den Debattenverlauf nicht unwichtigem Datum. An diesem Tag erschien der Spiegel mit der Titelgeschichte – nein, selbstverständlich nicht über diese nach wie vor als Lokalnachrichten behandelten Vorgänge, die längst jeder Redakteur eines überregionalen Mediums kannte und eben deshalb in die Schnellablage beförderte wie 2016 erst einmal die Vorgänge auf der Kölner Domplatte. Sondern das Hamburger Blatt hob die Zeile: „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ und ein Bild der Schauspielerin Collin Fernandes auf ihr Cover.

Die Geschichte stützt sich angeblich auf eine Strafanzeige, die Fernandes im Dezember 2025 in Spanien gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erstattete. Um es gleich vorwegzunehmen: Dass Ulmen angebliche Porno-Deepfakes, also mittels Künstlicher Intelligenz hergestellte oder veränderte Videos, die Fernandes zeigen sollten, irgendwelchen anderen Männern schickte, steht nicht in dieser Strafanzeige. Bis jetzt steht noch nicht einmal fest, ob es diese Fernandes-Deepfakes – ohne den Begriff kam bis jetzt keine mediale Verwertung der Affäre aus – überhaupt existieren. Jedenfalls bekamen die Juristen der Staatsanwaltschaft Itzehoe, die in der Sache ermittelten, dergleichen nicht zu Gesicht.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel