Im Iran ist der Al-Quds-Tag vorübergegangen. In Deutschland kommt er noch. Khomeini hatte ihn 1979 erfunden, um die gesamte islamische Welt an den Kampf gegen Israel zu erinnern. Später breitete er sich an andere Orte aus. Am Wochenende werden auch in Deutschland wieder zahlreiche Versammlungen unter verschiedenen Slogans stattfinden. In Berlin steht so neben der fast alltäglichen Demonstration gegen Speziesismus und für Veganismus die Solidarität-mit-Palästina-Demo und am Sonntag dann der „Schweigemarsch zum Gedenken der von Terroristen umgebrachten Moslems zum offiziellen Gedenk- und Aktionstag gegen Islamfeindlichkeit“. Die Mörder des jungen Manns Odai Nasser Saadi Al-Ruba, dessen am Sonntag in Berlin gedacht werden soll, waren allerdings die Häscher der Hamas, die seinen gegen sie gerichteten Protest nicht hinnehmen wollten.
Das nicht-islamfeindliche Berlin geht also immerhin gegen die Hamas auf die Straße. Dann ist alles in Ordnung. Aber es ist komplizierter. Denn der Festtag gegen die Islamfeindlichkeit stößt immer noch merkwürdig mit dem Al-Quds-Tag zusammen, der in Berlin nicht mehr unter seinem eigentlichen Namen begangen werden kann. Er hat seit dem 7. Oktober ohnehin ganzjährig alle Wochenenden und einige Tage mehr in der Hauptstadt erobert.
Aber die Gefahr liegt tiefer und breiter, als der Kanzler es benennen mag. Eine neue Auswertung des BKA hat ergeben, dass 45 Prozent der Muslime unter 40 Jahren mindestens eine Affinität zum sogenannten „Islamismus“ besitzen, also zu dem, was immer wieder als „politischer“ oder „radikaler Islam“ benannt wird. Und radikal ist diese Bewegung – denn der Islamismus nimmt die Wurzeln des Islams beim Wort. Politisch auch, denn der Islam ist eine politische Bewegung. Es sind also legitime Umschreibung einer bestimmten Form von Islam oder „Islamismus“, wobei nicht klar ist, was ein „gemäßigter Islam“ wirklich sein mag und ob es einen solchen jemals gegeben hat.
Die zugrundeliegende Studie definiert „Islamismus“ durch drei Faktoren:
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