Viktor Orbán störte in der EU, weil er Dinge tat und aussprach, die niemand tun oder hören wollte. Das Paradebeispiel bleibt die Migrationspolitik. Er griff einem Trend vor: Seine Positionen in dieser Frage sind heute Mainstream.
Davor war es Ungarn, dass den Eisernen Vorhang niederriss, und Ungarn, das 1956 zuerst gegen den Kommunismus rebellierte. Weniger schmeichelhaft: Es war Ungarn, das nach dem ersten Weltkrieg in den frühen 20er Jahren unter Miklós Horthy zuerst mit undemokratischen Regierungsformen experimentierte. Es war nicht Faschismus, aber dennoch ein erstes Signal dafür, was später in Italien mit Mussolini und in Spanien mit Franco passieren sollte.
Und nun Péter Magyar. Sein erdrutschartiger Wahlsieg wurde von vielen Kommentatoren als „Rückkehr“ Ungarns in den europäischen Mainstream gewertet. Er ist aber weit davon entfernt, einen entsprechenden politischen Stil zu vertreten. Er hat nicht nur gesiegt, er hat Wahlkampf neu erfunden. Und nun, so scheint es, erfindet er auch das Regieren neu: als Netflix-Serie.
Der Wahlkampf war eine Ein-Mann-Show, perfektioniert für die sozialen Medien, und es funktionierte. Magyar hatte zwar Berater, Experten, Mitarbeiter und irgendwann auch Parlamentskandidaten, aber ihnen wurde strikt verboten, sich öffentlich zu äußern, etwa in Interviews.
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