„Ich glaube, dass viel mehr Menschen die Medien hassen, als Ihnen bewusst ist“

vor etwa 2 Stunden

„Ich glaube, dass viel mehr Menschen die Medien hassen, als Ihnen bewusst ist“
Bildquelle: Tichys Einblick

Es ist heute schwer vorstellbar, dabei ist es gar nicht so lange her, dass Elon Musk einmal ein Liebling der Linken war. Mit Tesla trieb er die Elektromobilität voran und galt als Unternehmer der richtigen Zukunft. Sein Reichtum störte nicht, solange er den politischen Vorstellungen des grünen Milieus diente. Der Bruch kam mit der Übernahme von Twitter. Musk kaufte die Plattform, benannte sie in X um und erklärte die Meinungsfreiheit zum Leitprinzip. Seitdem gilt der frühere Elektropionier in weiten Teilen der Linken als Staatsfeind Nummer eins. Aus dem Visionär wurde über Nacht ein angeblicher Demokratiegefährder.

Auch die großen Medien bekämpfen Musk. Der eigentliche Grund liegt tiefer als seine politischen Ansichten: Musk hat ihnen mit X die Rolle der Türsteher zur Öffentlichkeit genommen, die unter der Ägide des Twitter-Gründers Dorsey alle Schleusen geöffnet und alle Vorfahrten gewährt hatte. während man Konservative oder Rechte ausgesperrt hatte. Das war lange Zeit ein linkes Utopia. Nun können Politiker, Unternehmer und Bürger aller Strömungen und Meinungen dort Millionen Menschen erreichen, ohne dass Redaktionen ihre Aussagen auswählen, kürzen oder mit der gewünschten Einordnung versehen. Musk hat das alte Deutungsmonopol zertrümmert.

Die Europäische Union versucht deshalb seit Jahren, die Macht von X zu brechen. Der damalige EU-Kommissar Thierry Breton drohte Musk sogar unmittelbar vor dessen Gespräch mit Donald Trump öffentlich mit europäischen Konsequenzen. Die Intervention war so anmaßend, dass die EU-Kommission anschließend erklärte, Breton habe seinen Brief weder mit Ursula von der Leyen noch mit dem Kollegium abgestimmt. Breton ging, der Druck blieb. Unter von der Leyens Kommission wurden Verfahren nach dem Digital Services Act eröffnet, eine Geldbuße von 120 Millionen Euro verhängt und weitere Untersuchungen gegen X und das KI-Programm Grok eingeleitet. Offiziell geht es um Transparenz und sogenannte systemische Risiken. Tatsächlich ringt Brüssel um die Kontrolle über eine Plattform, auf der seine politischen Vorgaben nicht widerspruchslos gelten.

Vor diesem Hintergrund war das Gespräch mit dem Economist denn auch deutlich mehr als ein Unternehmerinterview mit dem reichsten Menschen der Welt. Hier traf der Eigentümer der wichtigsten Gegenöffentlichkeit des Westens auf eine Institution des alten Medienbetriebs.

Das Gespräch dauerte 90 Minuten, wurde in einer Tesla-Fabrik in Texas aufgezeichnet und war Musks erstes großes Interview seit dem Börsengang von SpaceX im Juni. Den politisch aufschlussreichsten Teil lieferte der Schlagabtausch mit Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes über Migration, Europas Rechte und die Macht der Medien.

Beddoes eröffnete diesen Abschnitt mit einem bereits gefällten Urteil. Musk unterstütze neben der populistischen auch die „extreme Rechte“, erklärte sie. In einigen Ländern fördere er sogar besonders randständige Parteien. Das Etikett stand also wieder einmal fest, die Befragung sollte offenbar nur noch das passende Geständnis liefern. Musk verweigerte es. Er unterstütze „die normalen Menschen“. Viele Positionen, die Medien inzwischen als extrem rechts kennzeichneten, hätten noch vor zehn oder fünfzehn Jahren zur politischen Normalität gehört. Zur Illustration empfahl er ein kleines Experiment: Man müsse Anhängern der heutigen Linken eine frühere Rede Barack Obamas oder Hillary Clintons als angebliche Trump-Rede vorlegen. Die Empörung werde zuverlässig eintreten, bis der tatsächliche Urheber genannt werde.

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